Schwüler November

[Ein Märchen – Bilder von Jetzt, Texte seit November 2015]

 

I feel like this...detail

Es ist meine Art einfach die anstößt und aneckt und sich selbst verletzt. Krisen, schlimm. Ich ackere mich durch wie ein Maulwurf. Das ist mein Krisenbewältigungs-Ich: ein Maulwurf. Sanftheit. Wild. Böse. Gemein. Großkotzig. Raumeinnehmend. Flüstern.

Aquarellfarben (die farblich materielle Umsetzung des Flüsterns; das Äquivalent des Flüsterns auf farblich-materieller Ebene)

Ich spürte es gerade im Körper – zwischen Hals und Herz, zwischen Herz und Hals, ein Flattern, ein schmerzhaftes Flattern.

Mein verrücktes, verträumtes Schlampiges. Schön für den, für den genau das schön ist. Vielleicht für ein paar andere auch noch. In Überschneidungsgebieten.

Insgesamt eine unbequeme Mischung aus: arrogant, überheblich, treu, loyal, idealistisch,… Besser jetzt kompliziert sein, als später krank.

i feel like this

Großzügigkeit: Das ist es, was ich an Aquarellfarben schätze. Die Großzügigkeit, die so groß ist, dass sie den Zufall miteinbeziehen kann. Schnelligkeit ist möglich – und das ist der Aspekt an Schnelligkeit den ich schätze, der das Gegenteil für mich ist von spießiger Kleinlichkeit und Herumfitzelei, die ständig angstvoll darauf bedacht ist, etwas falsch zu machen oder eher: Alles richtig zu machen.Sich freischreiben, sich freikritzeln. Um in Fluß zu kommen.

So viel ist schon existentiell anders (die Welt wird gedehnt), wenn man sich und den Anderen mehr Raum gibt. Einen Moment nur länger schauen (und nicht sofort antworten müssen), einen Moment in der Zeit schweben und die Welt (und alle Beteiligten darin) verdünnt sich, zieht auseinander wie ein Filmstreifen auf Kaugummi. Und hält den Atem an und hält den Atem an.

Lotusgelb

Verspieltheit und Geborgenheit be-sinnen die Macht.

Deine Schönheit ist viel tiefer als du weißt. 

Das Möglichkeitsbuch

die Möglichkeitszeitschrift.

total psych out

Ein Tag wie weißes Papier. Neugeboren irgendetwas in mir. Zwei interessante Frauen kamen. Eine etwas älter, die andere sehr jung. Sie hat einen schwarzen Kunstfellpullover an – in einen grünen 60ies Lederminirock gesteckt. Dazu so ein ganz braves Gesicht mit braunen glatten Haaren hochgesteckt. Die andere hat ein interessantes Schauspielerinnen-Gesicht. Die beiden alten Menschen neben mir (die Köchin und ein ihr vertrauter alter Mann) sprechen in ihrem jammernden Singsang (der auch irgendwie schön ist). Das Laptopmädchen, das sich konzentriert. Es ist ein schönes Konzentrieren. Es gibt auch ein schiarches Konzentrieren. Der Singsang der Sprache, in der ich doch zuhause bin, obwohl es nicht meine ist. Aber sie sind zu nahe, jetzt hätte ich sie gern weiter weg. …

Und wo war ich heute schon wieder, nachts, im Traum. Von welchen Abenteuern, aus welchem Land komme ich zurück mit diesen Schmerzen im rechten Arm?

belgrave feast

Die Göttin sagt:

Ich bin die Decke und Polster,

ich bin die weiche

Unterlage.

Ich bin die Luft

und Wasser,

ich bin die Milch,

Brot und Honig.

fischmärchen

Eifersucht tötet mich und erweckt mich. Angst ist ein Modus des Mitfühlens in der Welt. Gefühle sind keine Privatsachen von Personen. Jedes Gefühl ist ein aus Empathie entstandenes.

Rosa Blumen und Streifenappropriate behaviour

Flüstern und Schreiben:

Als ich damals blutete,

bluten mit großer Hingabe

Da hattest du keine Angst

vor meinem Blut

und keine Scham

war mir erlaubt

als ich auch noch das Bier

umschüttete.

 

Ich möchte, dass du

leuchtest

aus der Dunkelheit

leuchtest.

in june trouble is brewing

Ich bin im Cafe J. an diesem russischsten aller Tage. Mit sibirischem Föhnwind! So etwas gibt es nicht. Aber gibt es doch. Es ist warm draußen und sonnig und sehr windig bis stürmisch. Ich habe eine Sonnenbrille auf!

Diese Unruhe. Dieses Ablenken.

Das Hibbeligge, Zibbeligge.

Und da passiert es – zwischen den Zeilen – im verträumten Wegschauen. Wo schaue ich hin? In die Zwischenräume? Zum ersten Mal seit längerem keinen so bösen Kater (nach 2 ½ 8erln und einer Zigarette und einem sehr verrauchten Raum). Nur diese größere Verträumtheit heute, die ich als angenehm empfinde. Dieses Suchen, Graben, Zusammensuchen mit zärtlichen, langsamen Handbewegungen. Ich merke, ich male ohne zu malen, aber diesmal ist es ein – es will Berührung. Sanftheit. Wärme. Darum macht mich dieser Wind so glücklich: Er ist Berührung und Wärme. (Auch Aufregung: weil so ungewöhnlich.) Nur sanft, sanft ist er nicht.

Oh, das Unglück neben einem Schniefer zu sitzen, neben einer Schnieferin!

violett

Schreibst du mir ein Märchen? Du kannst mich verwandeln in was immer du möchtest. Du kannst herbeirufen, wen auch immer du glaubst. Winde, Füchse, Quellen und Reh.  Es kann Grimm Märchen inspiriert sein oder Andersen oder 1001-Nacht oder auch alles zusammen oder nichts davon. Verwandle mich, wandle mich, geh mit mir. Geh mit mir in diesen Zauberwald hinein, dann lass meine Hand los. Dann, wenn du dich inspiriert fühlst. Unzensuriert. Wie ein Traum. Absurd wie ein Traum. Unlogisch wie ein Traum, voller Symbole wie ein Märchen, verzauberte Welt wie im Märchen, in der es sprechende Tiere gibt, Dschinnen, Könige, Feen und Wandlungen. Also ich gehe mit dir an der Hand – nein, du bist allein. Ich sehe dich von hinten in einen Wald hinein gehen. Ich sehe deine langen schwarzen Haare, du hast einen blauen langen weiten Rock an und ein blaues Hemd. Du zögerst ein bisschen. So fängt das Märchen an. Du pflückst ein Kraut, zerreibst es zwischen deinen Händen und riechst daran. Du brichst ein Stück Rinde vom Baum und reibst deine Handgelenke (deinen Puls) mit ihm ein. Dunkler ist es geworden, schnell, die blaue Stunde, schon erste Sterne sichtbar. Bevor du tiefer in den Wald gehst, pflückst du noch einen Stern und legst ihn an dein Hemd, von wo an er dort aufgestickt erscheint und bei dir ist.  Ein Reh kommt in der Dämmerung, an der Schwelle zwischen Wald und Nicht-Wald und leckt dir kurz die Hand und erschrickt dich ein wenig damit, bevor es wieder verschwindet. Kalt wird es in der Nacht.

kinderfreundschaften können schon sehr existenziell seinrot orange

Vielleicht wäre alles einfacher, könnte man sich zurückbesinnen – durch alle Schichten des Zwiebelhäutchenbaumes! Und einfach beginnen mit: Ich liebe dich. Gestern war plötzlich alles wieder so klar: Je mehr Liebe da ist, desto mehr Liebe ist da. Es bringt nichts, sie zu unterdrücken. Nur Schmerz, nur Verwirrung.

Ich kann mir schreibend näher kommen und mir sprechend ganz fern sein.

[Bilder alle 2016, alle A3, Mischtechnik, von oben nach unten:
It feels like this could fall apart at any moment
Die japanische Bluse
Total Psych Out
Belgrave Feast
Fischmärchen
Rosa Bild
Appropriate Behaviour
In June: Trouble is brewing
Violettes Bild
Kinderfreundschaften können schon sehr existentiell sein
Me and the anorectic girl]

Vor einem Jahr – Frühling

zwei in violett_detail

[Alle Bilder ca.30x40cm, Frühling 2015, Mischtechnik auf Aquarellpapier.
Zwei in Violett, Detail]

Ich habe Bilder wiederentdeckt, die ich völlig vergessen habe, sie sind vor einem Jahr entstanden, im letzten Frühling. Es stimmt in den allermeisten Fällen bei mir zumindest: Bilder müssen ein Jahr lang mindestens abhängen, um sie mit frischen, objektiven Augen betrachten zu können und zu wissen, ob sie interessant sind oder nicht.

Zwei in Violett
[Zwei in Violett]

Es ist schön, überrascht zu werden. Ich mag diese Bilder jetzt. Sie sind ungefähr zur selben Zeit entstanden, wie die Farbkotzmädchen, die erstaunlicherweise mit einem Jahr Abstand betrachtet diejenigen sind, die ich gerade am inspirierendsten finde, in ihrer Leichtigkeit, in Ihrem Nichts-Wollen außer Farbe trinken und Zwischenraumverdichtungen darstellen. Und vielleicht ist das auch alles, was es gibt.

Frühlingsmädchen

[Sprießt]
alt und jung
[Wächst]

Blumenschock

[Blumen und Mädchenschock]

Manche dieser Bilder sind im Beisein einer Klientin von mir entstanden. Diese Klientin hatte mehrer Schlaganfälle überlebt und lebte in ihrer eigenen Welt. Sie wollte, dass ich auch male neben ihr, während sie malt. Es war kein „freies“ konzentriertes Malen für mich klarerweise, hauptsächlich war ich da um ihren Figuren einen Raum zu bereiten, meine Bilder um ihren Bildern zu antworten, um gemeinsam Sprache wieder zu finden.

Aber da ich kaum gemalt habe im letzten Jahr kam doch viel von mir in diese Bilder.

Zugegensein_DetailZugegensein

[Zugegensein]

Und dieses Bild erstaunt mich einfach nur, weil da unsere Beziehung drinnen ist, mein Zugegensein, ihr Beisein, irgendetwas sehr Liebevolles und ja, sie hat mich inspiriert.

Sonne trinken_Detail
[Farbe trinken wie Sonne trinken_Detail]
Sonne trinken
[Farbe trinken wie Sonne trinken]

Und übrigens, falls du das noch nicht wusstest: Malen ist ein Beschwörungstanz.

Kaffeesonne

Kaffeesonne

Oder Kaffeespinne.

Oder Kaffeezeck?

(Kaffeezeck mit 100 Ärmchen, die gleichzeitig 100 Beinchen sind.)

[Die Tage als ich vorübergehend ein altes Handy hatte, das nur schlechte Fotos machen konnte.]

Kürzliche Wienereien

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Kitsch is in the Air – ein antiquarischer Bücherladen im Fünften – meine merkwürdige Rosasehnsucht lately.

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Sowas zu sehen ist immer merkwürdig und tut auch ein bisschen weh. (Auch, wenn ich selber ganz viel wegschmeiße. Immer wieder muss man ausmisten unter den eigenen Erzeugnissen.)

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I wish.

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Lustige und irgendwie inspirierende „halal“ Mode in einer Auslage im 10.

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Eine Drogerie im 6. Ich liebe alte Drogerien.

IMG_20160208_203857Kaffee im 15.

IMG_20160208_150940IMG_20160208_151019Unintentional Art im 6.

Mondmädchen Sonnenmädchen

Mondmädchen Detail

[Mischtechnik auf Papier, A1, 2011]

Rückblickend gesehen weiß ich jetzt (denn Wissen ist enervierenderweise oder manchmal auch beglückenderweise auch nur etwas Momentanes, Veränderliches, Vergängliches), dass ich 2011 hauptsächlich Blödsinn gemalt habe. Vielleicht sogar 2008 bis 2011. Aber ein mir geschätzter Künstler meinte, nichts was er je gemacht hat, war umsonst. Auch das, was er rund um die Kunst herum gemacht hat, hat, was sein Leben als Künstler angeht, rückblickend Sinn gemacht, hat sich eingefügt in ein größeres Ganzes, das rund ist. Und das manchmal erkennen zu können, das fühlen zu dürfen ist ein Geschenk (sage ich). Ein momentanes Erkennen, das einem auch wieder weggenommen werden kann, das man wieder verliert.

Diese beiden Ladies jedenfalls waren jahrelang abgelegt in der Holzablage unter der Decke meines Ateliers. Eigentlich dachte ich damals das Bild auf der Rückseite wäre das gültige Bild, wenn überhaupt. Aber nachdem sie mich lange durchs Gitter angeschaut hatten, mochte ich sie plötzlich und finde sie eines der wenigen Interessanten aus diesem Jahr. Unfertig und verloren auf einem großen Format – und das ist genau richtig so, alles andere wäre kitschig geworden oder zu brav.

 

 

zwischen

 

Herzliche Einladung dazu:

aNOther festival

7., 8. und 10. November 2015, Beginn jeweils 19:30h

SCHWARZBERG (Ost Klub) Wien IV, Schwarzenbergplatz 10

act as my soul as I act as your body

Es wird auch etwas von mir zu sehen geben, aber erwartet keine Bilder.