Kaffeehausminiaturen, Farbminiaturen

Kaffeehausgedanken

[4.3.13]

Meine Schrift ist mehr hier im Moment, schlaufiger, aufgerichteter, weniger nach rechts ziehend, weniger gehetzt heute?

Die Marmortische sind so kalt, ewig kalt, und die Hitze des Ofens ist auch ohne Liebe. Ausgerechnet das dumm-schöne Gesicht der Kellnerin spendet Liebe – ist ein Liebe-Mond (ein Liebemond), strahlt Liebe aus ohne Wärme.

Nein, niemand, der der Freundlichkeit fähig ist (der Freundlichkeit, die nicht muss und die nichts will) kann jemals dumm sein.

Sehr reiche Menschen sind das (sind wir manchmal), wenn sie der Freundlichkeit fähig sind.

Gestern sprachen die Karten nicht mehr zu mir – ohne Gefühl, ohne Richtung, ohne Auffangbecken und Wegweiser für meine Obsession war ich. Was macht die Obsession dann? Die arme kleine Obsession.

Gestern, als wir sangen im Park und auf dem Heimweg und ich nicht so laut singen und lachen konnte wie ich wollte, schmerzte mein Kiefer unglaublich. Das ist das Symptom gerade: Explodierende Lust zu lachen in mir, Glück, das einfach sein will, sich ausdrücken will, um seinetwillen, le bohnheur pour le bonheur – um trotzig, widerständig seine Existenzberechtigung einzufordern, seine Farben, seinen Tanz, sein Lachen. Und Angst davor oder Scham, nicht die adäquate Ausdrucksweise dafür zu haben, keine Kanäle, um es in der ihm adäquaten Form nach Außen zu bringen. Nie gelernt. Verlernt?

Große Scham und großer Widerstand, große Hemmung, wie beim Erlernen einer neuen Sprache, bevor man sie zum ersten Mal spricht. But dying to do so.

Der Mitteilungsdrang, der Entäußerungsdrang. Warum? Wozu? Maybe I should just shut up.

[28.2.2013]

Hässlicher blauer Kugelschreiber. Er fühlt sich hässlich an und er schreibt auch hässlich.

Doch, das Kafka war der richtige Ort um herzukommen – mit meiner Erschöpfungfreudebefreitheittraurigkeit.

Ich merke, wie ich Farben trinke. Wie sehr ich Farben trinke heute und wie glücklich es mich macht.

Der erste Schluck Wein kommt in meinem Körper an. Er kommt jetzt an und ich komme an – nein – ich bin noch immer zerteilt und zerpflückt in viele Moleküle, die ungefähr da herumschweben, wo ich sitze.

Immer wieder Pausen zwischen den Musikstücken – dann kommen sie, laut und wuchtig, holen mich ab und nehmen mich mit. Und das ist so wunderschön, dass ich laut lächeln muss. Mit laut meine ich, dass es durch meinen Körper explodiert. Überall aus mir herausdringt, ich zerfließe.

[8.2.13]

Bewusst und tief atmen – das bringt einen sofort in den Moment, an den Ort. Ich atme den Kaffee ein – die starke Schwärze – und ich atme besonders die Grüns ein. Die Grüns, alle Grüns des Café Jelinek. Die Grüns der Sitze und das zufällige Grün, das das Plakat hinter dem Milchglas (mit dem Blumenmuster) ergibt.

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