Die geheime Sprache der Formen und Symbole

Diary, Kaffeehausgedanken
[August 2014]

Ein Punktemuster (weiße Punkte auf schwarzem Hintergrund und vice versa): das ist: Imagine all the space that space takes up in space….

Und sich blähende Baldachine – wie Heißluftballon-Seidenstoff, in den Luft gepumpt wird: Und einen dann einhüllt, weich zerquetscht und dann wieder weg ist: Das ist das Universum, das etwas in sich (wieder) aufnimmt.

Und Angst: Angst ist ein kleines schwarzes, behaartes Krebschen, mit Stilaugen, ganz flach, ca 1 m Durchmesser, das verängstigt unter einem Sofa hockt. Verängstigt, weil es keine Liebe je bekommt, weil es so häßlich ist und glaubt, keine zu verdienen.

Und weich von stetig strömenden (das stetig Strömende) Universumswinden oder Bewusstseinswinden oder Achtsamkeitswinden weggedrückte, flachgedrückte, transparent-violette Blütenblätternebel (wie Tusche, die sich in Wasser auflöst, aber mehr Blütenblätterform, mehr tanzend): das ist etwas sehr Zärtliches, etwas, das lächelnd sagt: Alles ist ok.

Die grüne Haube

Diary, Skizze

grüne Mütze

Ich wäge meine Grüns ab: Emerlad, Smaragd, Mint, Olive & Petrol. Schon jetzt bin ich ruhiger, wo ich endlich diese Farbe, diese Schwingung tragen kann. Und ich frage mich: Geht es dabei um die Reflexion oder die Absorbtion? Wenn ich nun also grün reflektiere – welche Schwingung absorbiere ich dann? Wirkt also eine Farbe nach außen und nach innen?

Letzter Stand der Farbforschung (meiner): Manchmal kauft man Kleidung, die Projektionen eines zukünftigen Ichs sind. Man muss erst noch hineinwachsen. Mutig sein. Farbbedürfnisse (-obsessionen) sind momentan wirksame und notwendige Entwicklungsschritte, -hinweise und -hilfen der greifbaren Zukunft.

 

Nackter wirds nimma

Diary, Skizze, Text

Scham, das schlimmste aller Gefühle (und in der Tat darauf ausgelegt zu verstummen) und was mir der Versuch, es zu versprachlichen, verbildlichen erkennbar machte über meine Arbeit.

Scham

Es gibt medizinische Enzyklopädien, die Krankheiten illustrieren.

Ich möchte Gefühle illustrieren.

„Emotionally detailed“, sagte K. Das trifft es ziemlich genau. Alles andere ist unwichtig, verschwommen. Beziehungsweise muss verschwommen sein, um genau zu sein (in dem, was es darstellen will – was etwas Inneres ist und oft etwas Bewegtes.)

Ein kleines Beispiel des Nirgendwo-Hinpassens

Diary, Text

Ich will nach LA – des Lichts wegen.

Diese in LA lebende, arbeitende Künstlerin (die auch ein in Richtung Kunstherapie/Meditation/Mindfulness sich erweiterndes Selbstverständnis hat, das ich gut finde) beschreibt es so, wie ich es mir vorstelle: http://www.insiderei.com/interview/los-angeles-la-kunst-art-design-architektur-midcentury-houses-lauren-spencer-king/

Vieles hat sich verändert – um mich und in mir. Und nicht alles freiwillig. Und doch muss ich damit umgehen.

Ich weiß nicht mehr, ob ich so weiterschreiben kann, will. Texte entstehen, die nicht mehr in die passenden Rahmen (Blogs) passen. Die weder auf misfitsparadise (der Ort, der Text und Bild verbinden wollte, der Ort, der die wechselseitige Beeinflussung von Text und Bild untersuchen wollte) passen (weil zu wenig abstrakt) – noch auf den Kunsttherapie-Blog passen (weil zu persönlich, zu wenig theoretisch). Und den „Wahrheitsblog“, mit dem ich immer wieder liebäugle, den gibt es nicht, oder noch nicht, oder wird es nie geben, genausowenig wie es Wahrheit gibt. Weil „Wahrheitsblog“ einfach auch so ein wahnsinnig abturnendes Wort ist. Prätenziös und unsexy. Und gleichzeitig: Wer ist schon so uneitel? Wer will schon seine Wahrheit von gestern lesen? Aber vielleicht ist Wahrheit ohnehin nur etwas im Moment Findbares, ein Vehikel (und das seine Funktion, seine Rechtfertigung) um sich selbst (wieder) näher zu kommen? In Wahrheit (ha) ist es nämlich natürlich schon das Konzept des „Wahrheitsblogs“ das dem momentanen (dorthin gewachsenen) Schreibbedürfnis am nächsten kommt.

Abstraktion versus Wahrheit?

Manchmal wissen meine abstrakten Texte mehr als ich zum Zeitpunkt ihrer Entstehung. Im Nachhinein analysiere ich sie. Zerstört Analyse sie? Das die Frage, bei der ich seit jeher immer wieder lande. Zerstört die Deutlichmachung, die Erklärung, die „Wahrheitsannäherung“ den Text, die Aussage? Beides ist mir Bedürfnis: Analyse und Abstraktion. Analyse ist nicht mehr wahr als Poesie. Eine bestimmte Wahrheit braucht Poesie als Sprache um nach außen zu treten. Jegliche Umformulierung würde ihre Aussage verwässern. Manchmal ist die Sprache die Aussage. Die zum Zwecke des Auszudrückenden gefundene Sprache – mit ihr wird das Auszudrückende geboren. Manche Dinge können nur so gesagt werden, in eben diesen ganz bestimmten Worten; eben ihre Verschleierung macht sie deutlich.

Über das „Du“ in meinen Texten

In diesem momentanen Changieren zwischen den (Ausdrucks-)Räumen möchte ich klarstellen, dass das „Du“ in meinen Texten nie ein bestimmtes Gegenüber meint, nie nur eine Person, sondern dass das „Du“ in meinen Texten stets ein Hybrid aus mehreren Dus ist, zu denen sich mein schreibendes Ich hinformuliert (denn mein schreibendes Ich scheint das Gegenüber eines, mehrerer nicht anwesender Dus zu brauchen, seien das Real-Dus, Traum-Dus, Sehnsuchts-Dus, Vergangenheits-Dus, sogar Zukunfts-Dus). Und oftmals bin ich selbst das „Du“, mein Ich, das einen Teil von mir als „Du“ anspricht.

Letztlich zählt nur der Text als Text für mich (auf misfitsparadise). Wenn dafür multiple Dus zu einem Du-Hybrid zusammengeschmolzen werden, dann sei es. Dann war es so. Meist war es so.

Oft finde ich ihn (den Text) auch erst gelesen vollständig – von mir gelesen – meine Stimme, die Brüchigkeiten, Ironie, Sanftheit, Lächeln, Distanz, Nähe hinzufügt.

Und auch merke ich ein Bedürfnis nach einer neuen Art der Wort-Bild-Verbindung. Ich möchte auch Verlinken auf Texte oder Bilder, die mir verbindenswert erscheinen (teilenswert, weil sie mir geholfen haben zu verstehen, weil sie mir Erkenntnisbereiter waren und Kreise-Schließer). „Kreisrundes Schreiben“ nenne ich es. Leider ist die lesbare Form noch immer linear – von links nach rechts, von oben nach unten (abendländisch zumindest – morgenländisch kann man viel geilere Sachen mit Schrift machen – da kann man wirklich kreisrund kalligraphieren – und das macht verdammt viel Sinn).

Ein kleines Beispiel, das nirgendwo hinpasst

Bzw ein kleines Beispiel des Nirgendwo-Hinpassens:

Bild

Ich wache auf mit Verzweiflung. Ich stehe auf, weil nicht Bewegen unaushaltbar ist. Weil nicht Bewegen Ausgeliefert Sein ist, weil nur in der Bewegung ein bisschen Kontrolle ist, weil nur in der Bewegung etwas in Bewegung geraten kann. Beim Herumtun formuliert sich in mir der Satz: „Ich gehe gerade ein bisschen zu grunde an der Antwortlosigkeit der Welt.“ Etwas Unaushaltbares, das Unaushaltbare der Situation wird in Worte gefasst. Die Fassung macht es fassbar. Anschaubar. Ich frage mich: Wo liegt dieses „zu Grunde“? Wo ist dieser Grund? Was ist das für ein Ort? Was ist dort zu finden? Ich murmle diesen Satz vor mich hin. Ich merke, dass er eine Melodie hat. Ich singe ihn vor mich hin. Das es ein Lied ist, macht die Sache leichter. Und in meinem Kopf entsteht zweierlei: Erstens eine Sprechblase in der dieser Satz steht. Ich habe genaue Vorstellungen der Materialität und Farbe: Sie soll weiß sein, aus porzellanenem Plastik-Material, circa eineinhalb Centimeter tief, circa ein halber Meter Durchmesser. Es soll an der Wand hängen und mich erinnern. Zweitens eine Idee für ein Bild – eine Zeichnung mit Text, Zeichnungen mit Texten, die entstehen werden, inshallah, sobald ich wieder Raum und Zeit habe.

Als Ingredienz habe ich mir notiert: Das Aushalten der Antwortlosigkeit. Als Ingredienz im Umgang mit Verzweiflung oder Ungewißheit. Als Möglichmachung der Umformung der Verzweiflung in ein Lied, in ein Bild, in welche Ausgestaltung auch immer sie annehmen will. Als Raumbereitstellung. Als Raum, in den es (das Neue) fallen kann.

Wie man sich herausschreiben kann, herausarbeiten kann aus Verzweiflung: Wie man durch die Gestaltung, durch das Schreiben erstens sich wiederfinden kann, zweitens einen Schatz (in Form einer Idee, Erkenntnis) aus dem Verzweiflungs-Grund gefunden, gehoben, mitgenommen haben kann – ich finde es etwas sehr Teilenswertes. Aber ich weiß nicht, wie ich die Anleitung besser oder wahrhaftiger oder drastischer formulieren kann als eben durch die Beschreibung des Prozesses selber. Und in diesem Fall (und auch in diesem) IST die Beschreibung der Prozeß. Das Schreiben ist Tun, Erkenntnis, Transformation und Erklärung in einem.

Und, verdammt, wäre ich froh um Antwort.

 

 

[Wien-Portugal-Wien-Liverpool]

Diary, Kaffeehausgedanken, Text, Traum
Es ist nicht nur wichtig, dass man ergänzenden Humor hat, es ist auch wichtig, dass man ergänzenden Ernst hat.
Ob das Rosa (des Moleskine-Hefts) meine Schreibe beeinflusst?
Zu viele Spiegel.
Besonders am Ort des sich-selbst-Vergessens sollen keine Spiegel sein, dürfen nicht.
Der Tag eines Kindes:
eine Kette entsetzlicher Dramen, von denen jedes einen Erwachsenen zugrunde richten würden.“
[„Wider die Jugend“ Robert Poulet]
Leben heißt Boden verlieren.“
Drei Uhr morgens.
Ich nehme diese Sekunde war, dann jene. Ich ziehe die Bilanz jeder Minute.
Wozu das alles!
Weil ich geboren wurde.“
[„Vom Nachteil geboren zu sein“ Cioran]
Unsere Unzulänglichkeit.
Unsere Menschenmängel.
Eine hohe emotionale Dichte, eine hohe Zwischenraumdichte ist ihnen zu eigen.
Wie andere sich gerne reden hören, sehe ich gern den schwarzen Fluss meines Geschriebenen. Es befriedigt mich, es beruhigt mich.
Ein Emotionskraftwerk oder Emotionenkraftwerk – nicht im Sinne von Sublimation, sondern viel technischer.
Emotion => Strom
Emotionsstrom.
Angststrom.
Ich wäre ein großartiges Kraftwerk.
Die Gewaltsamkeiten des Tages.
Ich komme runter…von den Gewaltsamkeiten des Tages, von den Gewaltsamkeiten in mir. Von den Gewaltsamkeiten, die aus mir kommen um umgehen zu können mit der Situation.
Einen sehr schrecklichen, sehr morbiden Traum hatte ich, aus dem ich aufwachte:
Lag auf einem Bett, wusste erst nicht, wer bin ich, wer liegt da, wer ist tot? Ist es Amy Winehouse? Aber ich war Amy Winehouse – ein Hybrid aus ihr und mir im Gesicht, ihre Haare und Make-up allerdings, dickerer, weicherer Körper.
Ich/Amy Winehouse also lag im Bett mit einem verwesenden Pferd. Man sah schon die Rippenknochen freigelegt auf der oben liegenden Seite – aber die Nüstern atmeten noch!
Und ich frage mich, was es bedeutet.

Lieblingsschmerz

Diary, Gedicht, Kaffeehausgedanken

Dass ich dir schön genug sein könnte,…

Aber ich glaube, du meinst es.

Ich glaube immer, meine Liebe zu dir könnte dich beleidigen, empören,

weil sie so besitzergreifend ist, weil sie sich anmaßt, dich zu kennen,

weil sie so schmerzvoll ist.

Sie ist ein Ring mit Stacheln nach innen. Nicht immer.

Aber manchmal.

Ich will dir angenehm sein….aber ich will dir auch Schmerz sein?

Aber es wird immer ein anderer Schmerz sein. Ich bin nicht dein Lieblingsschmerz.

Ich bin nicht dein wichtigster Schmerz.