Kaffeevögelchen

Kaffeehausgedanken, Skizze

vogelchen-text

[Ich halte den Kaffee in meinen Händen wie ein kleines Vögelchen. Oder mein Glück? Das Glück des heutigen Tages? Irgendwann in der Nacht kam es angeflattert um nur so lange zu bleiben, wie es beliebt.]

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Schwüler November

Bild, Kaffeehausgedanken, Märchen

[Ein Märchen – Bilder von Jetzt, Texte seit November 2015]

 

I feel like this...detail

Es ist meine Art einfach die anstößt und aneckt und sich selbst verletzt. Krisen, schlimm. Ich ackere mich durch wie ein Maulwurf. Das ist mein Krisenbewältigungs-Ich: ein Maulwurf. Sanftheit. Wild. Böse. Gemein. Großkotzig. Raumeinnehmend. Flüstern.

Aquarellfarben (die farblich materielle Umsetzung des Flüsterns; das Äquivalent des Flüsterns auf farblich-materieller Ebene)

Ich spürte es gerade im Körper – zwischen Hals und Herz, zwischen Herz und Hals, ein Flattern, ein schmerzhaftes Flattern.

Mein verrücktes, verträumtes Schlampiges. Schön für den, für den genau das schön ist. Vielleicht für ein paar andere auch noch. In Überschneidungsgebieten.

Insgesamt eine unbequeme Mischung aus: arrogant, überheblich, treu, loyal, idealistisch,… Besser jetzt kompliziert sein, als später krank.

i feel like this

Großzügigkeit: Das ist es, was ich an Aquarellfarben schätze. Die Großzügigkeit, die so groß ist, dass sie den Zufall miteinbeziehen kann. Schnelligkeit ist möglich – und das ist der Aspekt an Schnelligkeit den ich schätze, der das Gegenteil für mich ist von spießiger Kleinlichkeit und Herumfitzelei, die ständig angstvoll darauf bedacht ist, etwas falsch zu machen oder eher: Alles richtig zu machen.Sich freischreiben, sich freikritzeln. Um in Fluß zu kommen.

So viel ist schon existentiell anders (die Welt wird gedehnt), wenn man sich und den Anderen mehr Raum gibt. Einen Moment nur länger schauen (und nicht sofort antworten müssen), einen Moment in der Zeit schweben und die Welt (und alle Beteiligten darin) verdünnt sich, zieht auseinander wie ein Filmstreifen auf Kaugummi. Und hält den Atem an und hält den Atem an.

Lotusgelb

Verspieltheit und Geborgenheit be-sinnen die Macht.

Deine Schönheit ist viel tiefer als du weißt. 

Das Möglichkeitsbuch

die Möglichkeitszeitschrift.

total psych out

Ein Tag wie weißes Papier. Neugeboren irgendetwas in mir. Zwei interessante Frauen kamen. Eine etwas älter, die andere sehr jung. Sie hat einen schwarzen Kunstfellpullover an – in einen grünen 60ies Lederminirock gesteckt. Dazu so ein ganz braves Gesicht mit braunen glatten Haaren hochgesteckt. Die andere hat ein interessantes Schauspielerinnen-Gesicht. Die beiden alten Menschen neben mir (die Köchin und ein ihr vertrauter alter Mann) sprechen in ihrem jammernden Singsang (der auch irgendwie schön ist). Das Laptopmädchen, das sich konzentriert. Es ist ein schönes Konzentrieren. Es gibt auch ein schiarches Konzentrieren. Der Singsang der Sprache, in der ich doch zuhause bin, obwohl es nicht meine ist. Aber sie sind zu nahe, jetzt hätte ich sie gern weiter weg. …

Und wo war ich heute schon wieder, nachts, im Traum. Von welchen Abenteuern, aus welchem Land komme ich zurück mit diesen Schmerzen im rechten Arm?

belgrave feast

Die Göttin sagt:

Ich bin die Decke und Polster,

ich bin die weiche

Unterlage.

Ich bin die Luft

und Wasser,

ich bin die Milch,

Brot und Honig.

fischmärchen

Eifersucht tötet mich und erweckt mich. Angst ist ein Modus des Mitfühlens in der Welt. Gefühle sind keine Privatsachen von Personen. Jedes Gefühl ist ein aus Empathie entstandenes.

Rosa Blumen und Streifenappropriate behaviour

Flüstern und Schreiben:

Als ich damals blutete,

bluten mit großer Hingabe

Da hattest du keine Angst

vor meinem Blut

und keine Scham

war mir erlaubt

als ich auch noch das Bier

umschüttete.

 

Ich möchte, dass du

leuchtest

aus der Dunkelheit

leuchtest.

in june trouble is brewing

Ich bin im Cafe J. an diesem russischsten aller Tage. Mit sibirischem Föhnwind! So etwas gibt es nicht. Aber gibt es doch. Es ist warm draußen und sonnig und sehr windig bis stürmisch. Ich habe eine Sonnenbrille auf!

Diese Unruhe. Dieses Ablenken.

Das Hibbeligge, Zibbeligge.

Und da passiert es – zwischen den Zeilen – im verträumten Wegschauen. Wo schaue ich hin? In die Zwischenräume? Zum ersten Mal seit längerem keinen so bösen Kater (nach 2 ½ 8erln und einer Zigarette und einem sehr verrauchten Raum). Nur diese größere Verträumtheit heute, die ich als angenehm empfinde. Dieses Suchen, Graben, Zusammensuchen mit zärtlichen, langsamen Handbewegungen. Ich merke, ich male ohne zu malen, aber diesmal ist es ein – es will Berührung. Sanftheit. Wärme. Darum macht mich dieser Wind so glücklich: Er ist Berührung und Wärme. (Auch Aufregung: weil so ungewöhnlich.) Nur sanft, sanft ist er nicht.

Oh, das Unglück neben einem Schniefer zu sitzen, neben einer Schnieferin!

violett

Schreibst du mir ein Märchen? Du kannst mich verwandeln in was immer du möchtest. Du kannst herbeirufen, wen auch immer du glaubst. Winde, Füchse, Quellen und Reh.  Es kann Grimm Märchen inspiriert sein oder Andersen oder 1001-Nacht oder auch alles zusammen oder nichts davon. Verwandle mich, wandle mich, geh mit mir. Geh mit mir in diesen Zauberwald hinein, dann lass meine Hand los. Dann, wenn du dich inspiriert fühlst. Unzensuriert. Wie ein Traum. Absurd wie ein Traum. Unlogisch wie ein Traum, voller Symbole wie ein Märchen, verzauberte Welt wie im Märchen, in der es sprechende Tiere gibt, Dschinnen, Könige, Feen und Wandlungen. Also ich gehe mit dir an der Hand – nein, du bist allein. Ich sehe dich von hinten in einen Wald hinein gehen. Ich sehe deine langen schwarzen Haare, du hast einen blauen langen weiten Rock an und ein blaues Hemd. Du zögerst ein bisschen. So fängt das Märchen an. Du pflückst ein Kraut, zerreibst es zwischen deinen Händen und riechst daran. Du brichst ein Stück Rinde vom Baum und reibst deine Handgelenke (deinen Puls) mit ihm ein. Dunkler ist es geworden, schnell, die blaue Stunde, schon erste Sterne sichtbar. Bevor du tiefer in den Wald gehst, pflückst du noch einen Stern und legst ihn an dein Hemd, von wo an er dort aufgestickt erscheint und bei dir ist.  Ein Reh kommt in der Dämmerung, an der Schwelle zwischen Wald und Nicht-Wald und leckt dir kurz die Hand und erschrickt dich ein wenig damit, bevor es wieder verschwindet. Kalt wird es in der Nacht.

kinderfreundschaften können schon sehr existenziell seinrot orange

Vielleicht wäre alles einfacher, könnte man sich zurückbesinnen – durch alle Schichten des Zwiebelhäutchenbaumes! Und einfach beginnen mit: Ich liebe dich. Gestern war plötzlich alles wieder so klar: Je mehr Liebe da ist, desto mehr Liebe ist da. Es bringt nichts, sie zu unterdrücken. Nur Schmerz, nur Verwirrung.

Ich kann mir schreibend näher kommen und mir sprechend ganz fern sein.

[Bilder alle 2016, alle A3, Mischtechnik, von oben nach unten:
It feels like this could fall apart at any moment
Die japanische Bluse
Total Psych Out
Belgrave Feast
Fischmärchen
Rosa Bild
Appropriate Behaviour
In June: Trouble is brewing
Violettes Bild
Kinderfreundschaften können schon sehr existentiell sein
Me and the anorectic girl]

Sommercafé

Kaffeehausgedanken

exilexil2

Ich bin angekommen in meinem Schreibexil, meinem Exil vom Café Jelinek, das meinen Schreibplatz gekillt hat, zumindest den Sommer über. Steinerne Kühle, Ornament light, Grüns und Türkise, ich wünschte, es wehten Ventilatoren, nur um meine Füße eine annähernd kühle Brise. Aber Yasmine Hamdan läuft und kein Baustellenlärm stört (wie gerade im Café Kafka), es ist angenehm leer, man kann sich einen Luftzug vorstellen.

Märzdestillat

Foto, Kaffeehausgedanken

[Plötzliches wieder verliebt-Sein in die Stadt — Vergleichende Skulpturstudien: erste Bezirk-Göttinnen wider Heldinnen der Arbeit im 3. — weitere Ergebnisse völlig subjektiver Farbforschung]

11.3.15

Mit seinem schwarzen Schwung aus Schnee,

mit seinen Zedernhufen.

12.3.15

Ich muss heute mit Worten malen. Sonst zerplatze ich an Farbmangel. Erzeugen Farben in mir Vitamin D, so wie sonst nur Sonnenlicht?

Hübsche japanische Kellnerin hat eine curryfarbene Jacke an. Heute essen ganz viele Menschen hier Matcha-Eis!

Ich möchte, dass das ein farbenstarker Frühling und Sommer wird.

Ich brauche das an Männern, dass sie Grunge-sozialisiert sind. Das war die letzte romantische Epoche, das war die letzte romantische Ästhetik. Kurt Cobain wie zuletzt nur Goethes Werther: Verletzlichkeit ist Rebellion.

Atmen, Atmen und schreiben.

Schreibend Atmen.

Layers. Verschiedene Ebenen der Begegnung. Anscheinend passiert das mit meinen Beziehungen, mit meinen Freundschaften.

Meine Fotos erzählen eine Liebesgeschichte mit Wien und von Totalität in der Begegnung mit Menschen hier und dass ich hier richtig bin.

Furchtlosigkeit in den Bildern von X. Satte Farben. Bei aller hoher Energie etwas in sich Ruhendes. Formgefunden Habendes. Gefahr, Schwindel und Mut in den Bildern von Y. Zutiefst. Irgendetwas fühlt sich zutiefst an. Ich bin fast 30 Jahre älter als du…das ist so absurd, fast abstrakt. Es kommt wie ein Schock für mich, das Gefühl, dass man trotzdem verwandt sein kann. Dass man miteinander reden kann. Und schreiben und hier sitzen, das fühlt sich so zutiefst befreiend an, wie Atmen. Tief tief atmen und leckerste, sauerstoffsatte, in transparenten Regenbogenfarben schimmernde Luft einatmen. Atmen, das sich anfühlt wie essen und trinken. Atmen, das mich so zutiefst sättigt und mir gleichzeitig diese so sehnende-zehrende zutiefste Unstillbarkeit öffnet. Existentiell. Existentiell bist du. Und deine Gefühle sind zutiefst. Kann das sein. Ein Kind, dessen Gefühle nicht flüchtig sind. Dessen Gefühle nicht wie Launen sind? Ein Kind, das zutiefst fühlt.

Beschränkungen des Ausdrucks, Limitierungen der Zeit, des Raumes (Platzes tatsächlich) erhöhen den Druck – meinen Ausdrucksdruck. Jetzt pfeifen die Ventile schon..!

13.3.15.

Das Café Jelinek ist bis zur Schrecklichkeit voll an einem Freitag vormittag. Und ich dachte mir, ich wäre früh hier gewesen. Aber es gibt Menschen (mit Kindern), die haben ein anderes Früh.

Mir kommt vor, ich rieche noch nach dir. Ich röche noch gern nach dir. Und gleichzeitig nicht. Nach Fleisch. Und rosa. Und rosa kalt.

Ganz viel Lippenstift auf meinem Häferl. Wien. Meine Wiengeschichte. Brüste. Frauen. Frauenskulpturen. Frauenfreundschaften. Diese merkwürdige Figur mit dem strengen männlichen Kopf und den Phantasiebrüsten.

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Und es ist so, dass sich in einem etwas geändert hat und dann begegnet man im Äußeren anderen Situationen, anderen Umständen. Ich frage mich gerade, was die Farbe und welches die Form ist, die diesen Umwandlungsprozess intensiviert? Vielleicht ist es eine Blume mit großer exotischer Blüte. Vielleicht diese Blumen, die ich da im Jelinek sehe. Rosa, magenta und weiß. Mit grün, natürlich. Ich bitte um die richtige Form, die richtige Blüte, die richtige Farbe, die richtige Farbkombination für diese Umwandlung.

Orange + Violett = Ich werde gesehen.

Orange, violett, grau, königsblau + mintgrün = Ein Netz zusammenweben.

Königlich königsblau = step into your place, lightly, earnest, humble, the unknown zone.

Rosa + weiß = OM: Das personifiziert OM in Form einer weißen Hirschkuh mit graubraunweißen Sprenkeln, blumengeschmückt = Das Vertrauen, das immer da ist.

1.3.15

Es gibt kein sie auflösen. Man kann sich ihr nur hingeben.

Ist das die Entsprechung der Yoga Position “die Sphinx”? Auflösung ist Unterwerfung. Ist der Versuch (das Rätsel, das Bild, den Menschen) aufzulösen immer der Versuch das Rätselaufgebende zu unterwerfen?

6.3.15

Alle Berührung stets bei sich behalten zu müssen. Nur mit mir allein. Nachzufühlen, nachzuweinen – reicht es?

Orangerot, glühend, besonders in Kombination mit Neonfarben in Ethnomustern heißt: hinein ins Leben. Voller Freude. Saftig, strahlend, anpackend. Ohne Furcht.

Im Jelinek

Kaffeehausgedanken
[August 2014]

Im Jelinek sind die Türen zu, weil der Tag so kalt startet. Aber ich brauchte, oh, ich brauchte die Luft und die Sonne. Ein laptopschreibender Mensch sitzt auf meinem Platz, meinem Luftplatz. So habe ich einen Fensterplatz. In gewisser Weise waren diese Tage mit dir diätisch. Im Sinne von: Eine Existenzdiät. Zwar haben wir gegessen und getrunken und gar nicht zu gesund und –  Aber es waren Tage ohne Internet, ohne Zeitschriften, ohne Serien, Tage ohne Ablenkung, Tage ohne Nicht-Existenzielles. Denn Genuß ist existenziell. Was könnte es Existenzielleres geben? Und so viele Gefühle: Schuld, Anziehung, Abstoßung, Begeisterung, Erschöpfung. Und immer wieder Austausch. Der Zwang zum Austausch. Und gestern Abend war ich nur mehr erschöpft. Fand ich dich häßlich…mit deinen verunstalteten Haaren und deiner Regenjacke und ich, ich wollte mich verstecken mit meiner Kleidung, hinter der Brille – oder zumindest eine andere sein. Nicht mehr elegant, luftig, mit meinen Farben, nein, nichts mehr davon. Gestern fühlte ich nur mehr Erschöpfung. Neutralität, Distanz und Lachen – das ist, was gestern möglich war. Und heute: Dankbarkeit. Gefühlsüberschwemmung. Vater. So so vieles. So so reich. Ich.

Was passiert, wenn ich rot anziehe

Diary, Kaffeehausgedanken
[August 2014]

Ich habe mich tatsächlich an die Farbkombination gewagt, die ich gestern abend vor dem innern Auge gesehen habe: rotes Strickpullöverchen zu pinker Hose und roter Lippenstift dazu sogar, seitlicher Zopf – sehr russisch fühle ich mich. Eigentlich sollte ich heute gesehen werden. Nicht schwarz, sondern Farbe, Farbe, Farbe, Farbexplosion. Die Martha Jungwirth: Irre, was da ausgestellt wurde! Dass sie diesen Skizzenblättern Wichtigkeit, Wert beimisst. Die Kontobücher. Aber ich fand das sehr interessant und erfrischend. Diätisch quasi. So völlig unbehelligt von Zeitgeistströmungen in der Kunst. So völlig nur ihrer eigenen inneren Gestik folgend. Wirklich kühn und interessant. Ein Tag, wo ich gesehen werden will – ein Tag, wo ich trotzdem im Keller (im Atelier) sein werde? Sich in ein neues Leben hineincollagieren. Statt in viele kleine Projekte zu zersprageln – mehr Vertrauen in das große Ganze! In den roten Forschungsfaden, den roten Inneren-Ausdrucks-Faden, der da ist und der sichtbar werden wird. Forschung rückwärts quasi.

Liebe

Kaffeehausgedanken
[Anfang August 2014]

Ich fühle mich so traurig und einsam heute und will diesem Gefühl auf die Spur gehen. Sagt man das so? Nein, man sagt: Auf den Grund gehen. Aber ich weiß gar nicht, ob ich soweit gehen will. Ich will an der Peripherie entlangmäandern, die Ränder abgrasen. „Vitali Chaconne G minor for violin string orchestra“ statt Gequassle sagt: Ich will heute nur Liebe sehen, mir soll heute nur Liebe begegnen. Ich will heute nur Liebe sein. Ich will heute nur Liebe sagen.

Jetzt sogar Sonnenbrille. Es ist so unglaublich angenehm jetzt: Die Luft. Atmen wie Schreiben. Geborgensein. Geborgenheit. Die Höhe der Häuser gibt mir Geborgenheit. Die Höhe der Häuser ist genau richtig.

Wann war ich so ein Streber – ein Lebensstreber – und habe gesagt: Ja, ich möchte dieses Leben!? Ja, du wirst fühlen dürfen. Du wirst das Geschenk des Fühlens bekommen. Du wirst alles fühlen dürfen. Und du wirst es als deinen Schatz erkennen. Hat das gereicht, um es mir zu verkaufen, das Leben, dieses Leben? Fühlen als Entschädigung für alles, Fühlen als Wegweiser, als Fortbewegungsmittel, Fühlen als Lähmung, als –                    Das Fühlen ist heute an der Schmerzgrenze. Ich kann sonst nichts mehr aufnehmen, ich will sonst nichts mehr aufnehmen – darum die Kopfhörer, darum die Sonnenbrille.

Ich möchte eine Freundin. Ich habe mich schon lange nicht mehr so einsam gefühlt, ich hatte schon lange nicht mehr solche Sehnsucht. Das richtige Musikstück zur richtigen Zeit. Kein Mann jetzt, nein, eine Frau. Eine besondere Frau. Eine andere Frau. Muss sie Verzweiflung kennen? Und Einsamkeit. Ich weiß nicht. Sie soll Gönnen kennen. Und Gnade. Wie kann ich mich – ausgerechntet ich – so einsam fühlen? Ist es Mangel oder ist es Sehnen? Ist es gar Schwelgen? Oh ja, ich schwelge genüßlich in meiner Einsamkeit, damit du siehst, was dir entgeht. Ich schwelge, ich schwelge nicht mehr in dir. Lass Schönheit sein, Vater. Und Liebe. Mehr nicht. Sie kann eigentlich nur aus einer anderen Kultur kommen und die Wärme und die Sonne von dort mitbringen. Wir kennen das nicht. Wir haben das nicht. Und wenn, dann haben wir es uns abtrainiert. Und wenn, dann war es nur als Sehnsucht, als Ahnung in uns angelegt. Und wenn, dann haben wir keine Sprache dazu bekommen, keine Gesten, keine Stimme, keine Ausdrucksmöglichkeit. Bin ich selbst so traumatisiert, dass ich immer wieder traumatisierte Menschen anziehe? Aber so stimmt das nicht. R. ist eine wunderschöne Sonnenpflanze, wachsend, heilend. C. ist eine wunderschöne Sonnenpflanze, sein Wesen, seine Worte, seine Berührungen heilend. Ich brauche erst Abstand (ein paar Kilometer, ein paar Tage, ein paar Nächte) um die Liebe zu spüren. Ich spüre sie. Sie ist da. Sie ist immer da. Ich bin so voller Liebe. So voller Erkennen dessen, was immer da ist. Immer da ist. Aber wir sind nur Menschen. Wir gehen dorthin wo Liebe und Aufmerksamkeit ist. Und je nachdem, wie die Qualität dieser Liebe und Aufmerksamkeit ist, je nachdem, wie rein, wie frei, strömend, wie frei von Schadstoffen oder wie polluted, wie versetzt mit Giften – so wachsen wir. So wird unser Strömen sein. Unsere Fähigkeit zu geben und zu empfangen. Und wir alle haben zu wenig gekriegt anscheinend. Ein großes Stück können wir einander heilen, aber das funktioniert nicht, wenn wir nicht auch uns selber heilen. Der alte Mann, der verlebte Maler-Sandler, er hat eine Sonne auf sein Tshirt gemalt. Ich könnte weinen. Menschlich ist das hier heute alles so – komisch. So – sehr? So menschlich. Diese Dosis wollte ich mir abholen, diese Dosis brauchte ich. Ich habe etwas anderes gesucht (oder eine Andere) und ich habe das gefunden: Sonne. Solange, Vater, solange wir selber nicht in der Lage sind, die Sonne anzuzapfen.