Die geheime Sprache der Formen und Symbole

Diary, Kaffeehausgedanken
[August 2014]

Ein Punktemuster (weiße Punkte auf schwarzem Hintergrund und vice versa): das ist: Imagine all the space that space takes up in space….

Und sich blähende Baldachine – wie Heißluftballon-Seidenstoff, in den Luft gepumpt wird: Und einen dann einhüllt, weich zerquetscht und dann wieder weg ist: Das ist das Universum, das etwas in sich (wieder) aufnimmt.

Und Angst: Angst ist ein kleines schwarzes, behaartes Krebschen, mit Stilaugen, ganz flach, ca 1 m Durchmesser, das verängstigt unter einem Sofa hockt. Verängstigt, weil es keine Liebe je bekommt, weil es so häßlich ist und glaubt, keine zu verdienen.

Und weich von stetig strömenden (das stetig Strömende) Universumswinden oder Bewusstseinswinden oder Achtsamkeitswinden weggedrückte, flachgedrückte, transparent-violette Blütenblätternebel (wie Tusche, die sich in Wasser auflöst, aber mehr Blütenblätterform, mehr tanzend): das ist etwas sehr Zärtliches, etwas, das lächelnd sagt: Alles ist ok.

Blicke, kleines Café

Kaffeehausgedanken, Skizze

ModelmädchenIII

ModelmädchenII

Im kleinen Café gibt es einen winzigkleinen verlängerten Schwarzen. Aber es ist der beste verlängerte Schwarze, meiner Meinung nach.

Das Modelmädchen, das hereingekommen ist, hat auch ein Notizbuch. Das Modelmädchen macht ein Selfie im Spiegel.

Jede ihrer Gesten ist anmutig und sie hat merkwürdige rote Augenlider.

Das Modelmädchen schreibt: “ Schwarz-weiß + Farbe – diese Kombination finde ich gerade magisch.

Flirrendes, zerhendes Begehren. Alles Tun scheint eitel, ein Tag sinnlos, wenn er nicht dich beinhaltet, wenn ich dich nicht sehen darf.“

Das Modelmädchen hat einen giftgrünen Apfel wie ein Accessoire neben sich liegen.

Das Modelmädchen schreibt: „Er zeigt mir ein Sternenbilderbuch. Er füttert mich mit roten und blauen Früchten. Er gibt mir Rosarotes zu trinken. Er nimmt die Augen nicht von mir. Er übersetzt seine Blicke in Worte.

— Gegenseitige Durchdringung — ich durchdringe ihn und er durchdringt mich. Ich durchdringe ihn mit meinem Geschriebenen und er durchdringt mich mit seinem Gesagten. Er nimmt seinen Blick nicht von mir und ich weiche seinem Blick aus.“

(Und) ich beobachte die Beobachtete, versuche sie zu zeichnen, ohne dass sie es bemerkt. Ich will niemand mit meinem Blick belästigen. Ich weiß, wie Blicke brennen, verbrennen können.

Wie die kleine Tulpe gestern

Kaffeehausgedanken

Ich halte mich selbst in den Armen. Wie die kleine Tulpe gestern. Sich selbst gehalten hat – ihr oranges Köpfchen – mit ihren Blätterarmen. Die abgeknickt ist. Die abknicken wollte. Eine Alleinvase wollte. Ich hätte sie fast, vielleicht weggeworfen.

Fast & vielleicht.

Ich lege mich in den Raum. Ich lege den Kopf schief. Lege ihn in meine Hand. Ich lege mich in das Blumenmuster der Glastür.

Ich sitze hier und ich bin heute (nach dieser anstrengenden Nacht, nach diesem anstrengenden Abend und nach diesem anstrengenden halben Tag) ausnahmsweise zärtlich zu mir. Ich habe Angst vor Zärtlichkeit nämlich. Ich habe Angst vor den Schleusen, die sie öffnen könnte.

Ein Frösteln. Ein existenzielles Frösteln.

[Farben im Café Kafka]

Kaffeehausgedanken

Der zuvielte Kaffee.

Der zittrige Kaffee.

Ich bin schön geküsst. Apricot geküsst.

Beerenfarben. Erdbeersorbetfarbengeküsst.

Schon vor meinem Lippenstift. Mein Lippenstift übermalt das Erdbeerfarbene meiner Lippen mit dem helleren Apricot.

Es ist unglaublich, wie sehr mein Bild in diesen Raum hereinverwittert ist. Wie sehr sich die Farben des Bildes und des Rahmens und des Raumes einander angepasst haben.

Und da sitzt wirklich ein Junger in gelbem Tshirt und grüner Jean, kein Hipster, also einer, dem wirklich Kreativität zugetraut werden kann – und liest: The Catcher in the Rye. In rot.

Schön.

Alles schön.

Musik schön.

Körpergefühl schön.

(Trotz Kopfwehs.)

Innere – äußere Temperatur in Harmonie.

H    A    R    M    O    N    I    E

Langsamkeit schön.

Innere Bilder: schön.

Frei fluktuierendes Begehren mit Landungspunkten.

Wunderschönen Landungspunkten, auch wenn diese Orte provisorisch sind, wechselnd sind. Das macht es auch viel romantischer. Und scheiße, ist Wien romantisch in diesem maienhaften April. In diesem Sommer im Frühling in Wien.

 

Wir wären so schön ohne unsere Angst.                                                                                                  Unsere Angsteffekte.                                                                                                                               Unsere Angstgewalttätigkeiten.                                                                                                           Jedes Essen ein Liebespicknick.                                                                                                                 Jedes Treffen eine Kommunion.                                                                                                                  Wir würden uns Zeit nehmen.                                                                                                                  Wir würden uns einlassen.                                                                                                                       Wir würden zuhören.                                                                                                                               Wir würden es aushalten, einander in die Augen zu schauen.                                                                         Unsere Umarmungen würden so lange dauern, bis die Heilung abgeschlossen ist.                                                                                                                                                              Du du du.                                                                                                                                              Ich habe in dich hineingegriffen. Nein, das würdest du niemals zulassen. Ich habe in unseren Zwischenraum hineingegriffen – ein bisschen zu weit.

Oh, ich war dir so dankbar, dass du nicht geweint hast.

oh

Foto, Gedicht, Kaffeehausgedanken

Vienna blood

Ich greife hinein in die Wirklichkeit, in die Situation, in den Raum zwischen uns – und zerstöre so den Möglichkeitsraum, mache aus einem Palast ein kleines zusammengeschrumpftes Plätzchen – das, auf dem ich sitze. Übrig bleibt das kleine, schale, erbärmliche Gefühl der Zurückweisung.                                       Das ist merkwürdig. Und tragisch.                                                                                                          Und was übrig bleibt, ist das pinke Silikonnegativ unseres Zwischenraums. Seine Dichte und Süße, die sich in meinem Kopf als aus pinkem Silikon gegossen materialisiert hat.                                                           Diese Form: sie ist unzeichenbar.

Und genauso könnte ich in unseren Raum hineingreifen. Ich könnte dir schreiben, ich könnte dich fragen –  Aber ich würde damit eine innere Ausbreitung von tolstoischem Ausmaß zerplatzen lassen wie einen Luftballon. Ich würde mich all der wunderbaren, köstlichen, quälenden Gefühle und Geschichten in diesem Raum berauben…zum Preis wovon? Sicherheit? Die Sicherheit nicht alleine zu fühlen? Ob deine Geschichten meine Geschichten sind?

Wie bringt man die Liebe nach draußen? Reicht es, sie zu fühlen?                                                             Ich gebe dir die Farbe: Apricot.                                                                                                     Zurückkommend sehe ich meine Devotionalien, mit denen ich meinen Kaffeehaustisch markiert habe: Mein hellgelbeierschalenfarbenes Moleskine-Notizbuch, meine cremeweiße Leinentasche, mein olivgrüner Parka, das riesiege apricotfarbene Tuch in weichen Wellen darüber. Der Tisch ist rund und grau und die Kaffeetasse glänzend schwarz.                                                                                                                                 Ich bin reich, so sehr reich.

Foto, Kaffeehausgedanken