Just about every woman I know (and a few men) have been sexually harassed at least once in their life but more likely often

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2017_Zwei Mädchen in Röcken2017_Meernähewith banners held high2017_Drei in Magenta2017_Was bleibt einem2015_künstlerinnenansammlung2017_Drei in Apricot2017_Violette Fischmädchen[Alle 2016/2017, A3, Mischtechnik auf Papier, von oben nach unten: „Zwei Mädchen in Röcken“, „Meernähe“, „With Banners held high“, „Lange Ärmel“, „Was bleibt einem“, „Künstlerinnenansamlung“, „Pina-Bausch-ig“, „Fischfrauen violett“]

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Neo – Biedermeier, Erwin Wurm und Twin Peaks

Foto, Text

Neo Biedermeier

[Wien, Sommer 2017]

Dieses Plakat hat mich überzeugt, dass wir in einer Art Neo-Biedermeier leben. Das gute Leben, slow food, Spezialläden wie „der affe und der bräutigam“ mit skandinavischer Kindermode und Frauenmode aus Ökostoffen für Bobo-Bedürfnisse. Ich bin natürlich auch Bobo. (Trotzdem fand ich das Kino unter Sternen im Augarten besser, als es noch den kroatischen Fischstand gab, daneben den Inder usw, noch nicht slow und man sich nicht anstellen musste.) Neo-Biedermeier, weil wieder: Sehnsucht nach heiler Welt, Rückzug in diese durch das Gefühl der Machtlosigkeit im Außen etc etc, darüber wurde sicher schon viel geschrieben.

Als Teenager sagte einmal ein Kollege meines Vaters zu mir (eigentlich zu ihm, neben mir, über mich): Ich sei so ein Biedermeier-Mädchen. Das hat mich damals ziemlich empört oder verstört. Ich fand Biedermeier scheiße. Verweichlicht die Ästhetik, die Mode, das Schönheitsideal.

Neo Biedermeier
[Palazzo Fortuny, Venedig, Sommer 2017]

Auf diesem Foto finde ich mich sehr biedermeier, ich mag mich nicht sonderlich darauf, was ich mag daran (im obersten Stockwerk des großartigen Palazzo Fortuny entstanden, also schon dementsprechend derangiert) ist, was ich immer suche und versuche und finde, was mich seltsamerweise beglückt: Eine Zum-Bild-Werdung, ein Sich-Hineinmalen in die Umgebung, mit der Umgebung eins werden, das ich als Malen-ohne-Malen bezeichne (das ist sowieso ein flüchtiger Zustand nur), wenn die Umgebung derart ist, dass man das will, wenn einem das Harmonie gibt oder Kraft, Durchlässigkeit also oder Erweiterung, indem man nämlich etwas von dieser Umgebung (Farbe, Schwingung) inkorporiert, durch sich durch strömen lässt, quasi transparent wird für einen Moment.

Ich weiß nicht, ob derart ästhetische Fragestellungen biedermeier sind, oder vielmehr vielleicht in den Tantrismus oder zu Patanjali gehören. Einswerdung (im Sinne von Verschmelzung, Auflösung) ist für ihn faschistisch, meinte Arno Böhler in seiner Patanjali-Vorlesung. Das verstehe ich bis jetzt nicht ganz, bzw schon, teilweise – teilweise habe ich eine andere Vorstellung von Einswerdung.

Ich habe leider die Erwin Wurm x Carl Spitzweg Ausstellung im Leopold versäumt, aber jetzt, wo ich mich heineinschreibe, heranschreibe, macht diese Zusammenschau für mich Sinn.

Erwin Wurm_achtsamkeitskunst.jpgösterreichischer Pavillionösterreichischer Pavillion II

[https://biennale.tumblr.com/post/164288127038/erwin-wurm-c-als-musiker-ist-noch-nicht-so/embed]

Ein Einswerden mit der Umgebung (eine momentane Pose mit ironischer Geisteshaltung, sprich: Distanz eingenommen), Kurzzeit-Verschmelzung, im Wissen, dass wirkliche Verschmelzung nicht möglich ist, dass es dann wieder ein Heraustreten ist, dass man dann wieder zu einem er wird und dort das Ding, der Koffer wieder zu einem Koffer usw und so geht man eigentlich ständig neue Verbindungen ein (der Wirkung von Materiellem – auch: Raum, auch: Licht – auf den Menschen, auf seine Stimmung, auf die Atmospähre ist sich jeder Architekt bewusst).

Es bahnt sich in mir eine versöhntere Beziehung zum Biedermeier an: für mich steht er auch für Langsamkeit, für ein Bewusstsein für diese Verschmelzungs-Momente (und dafür, dass sie immer nur momentane Aufenthaltsorte sind). Deshalb ist auch die Twin Peaks Welt (The Return 2017) – neben der veritablen Alptraum-Momente (meine Alpträume und David Lynch, das war seit langem gegenseitige Durchdringung, Inspiration, deshalb war er auch lange Zeit mein Lieblingsregisseur) für mich auch eine heile Welt: WTF?! Let me explain: Die Art und Weise, wie selbstverständlich mit dem Ungreifbaren umgegangen wird, wie das Mysteriöse mitlebt, ganz selbstverständlich, dass da Raum ist in den Gesprächen, dass die Menschen keine Masken tragen, dass sie einander zuhören, dass sie einander in ihrer Schrulligkeit akzeptieren, dass da Raum ist für Naivität (mindestens so viel wie für Grausamkeit), …. das ist für mich heile Welt.

 

 

Malen ohne Malen: Tanzen

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IMG_20150722_160908-ANIMATION

[Beim Impulstanz 2015, pool]

[The Phone Call]¹

You are pink and dark.

You are the shade of dark pink.

Fuck you bitch.

I’m not trying to show off, I’m trying to share…I love you…love to share with you…

I feel uncomfortable. Like an uncomfortable cat.

Are you sobbing? No, you would never sob.

I love you, but I need my distance.

You are…

so…

fucking…

adorable                    …for the one that feels it the most.

You are so aggressive and so soft.

I’m in paradise. But it’s a very challenging paradise. I don’t always feel well. But I have no obligation to feel well all the time.

I feel happysad. You have to be happysad to be allowed into my paradise.

I like the way the wind moves your hair. I want to draw you. You have a beautiful body. Self harm as an art form.

You think you are better off alone?

I like your grown-up artsy style.

I love you…I just wanted to tell you that… My eyes are shining, you said… We all smile a lot.

I want to close my eyes…just give myself to this music… I trust this music as I trust you.

¹Das war der letzte Text, ein Anruf, bei dem nur wir reden und einer fiktiven – oder realen- Person sagen, was wir ihr immer schon sagen wollten, gespeist aus dem Geschreibe, das davor zu verschiedenen Musiken passiert ist – enstanden  im Impulstanz-Workshop How to write for, and talk on stage! von (der – wie ich jetzt weiß – großartigen) Anat Stainberg.

Subway Symphony, Synchronizitäten und ein Ende der Einsamkeit

Text

Gestern fahre ich zum ersten Mal mit einem der neuen Busse. Namentlich mit dem 57A. Die Töne, wenn die Tür sich öffnet und schließt sind ganz und gar furchtbar. Der arme Busfahrer, denke ich mir. Wer entwirft solche Töne? Welcher Sadist? Welche Schreckensherrschaft des So-und-so-muss-sich-etwas-gehören-das-ist-so-und-das-wird-nicht-hinterfragt. Das müssten ganz andere Töne sein! Ein Bienchengesumme! Oder kleine Seufzertönchen von mir! Ich kann ganz wunderbare Seufzertönchen!

Und heute: Beim Surfen durchs Internet stoße ich auf DAS: http://cupofjo.com/2015/06/subway-symphony/.

Die Welt antwortet wieder. Und ich kann nicht mehr behaupten, einsam zu sein. Oj Oj!

Malen ohne Malen: Teil III

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Ich erwarte das von meiner Kleidung:

Dass ich mich mit Hilfe von ihr in die Welt malen kann. Auf die Straße, ins Café. Dass sie mich sowenig wie möglich dabei hindert, meine Farb-, Form-, Bildvison umzusetzen. Und mit Vison meine ich eigentlich: Impuls. Viele Impulse, die eine Vison ergeben. So wie auch meine Bilder entstehen?

Also wähle ich Kleider demnach so aus, wie ich Tuschen auswähle: Die Farbe muss mich inspirieren. Ich muss sie lieben. Sie müssen flüssig sein – also fließend. Sie müssen dazu geeignet sein, Bewegung darzustellen. Und sie müssen dabei eine Zufallsmöglichkeit haben. Sie sollen sich gut anfühlen – Stoff wie Papier – sinnlich befriedigend sein.

Gewürzgfrießerl

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Gewürzgfrießerl1 Gewürzgfrießerl

Zurückkommend bewege ich mich durch die Stadt aggressiv und aufgeregt, aggressiv-glücklich, sanft, kopfwehig, in starken Farben und blass und mir fällt auf, wie sehr ich mir diese Stadt erobert habe, wie sehr ich sie als die meine reklamiere, beanspruche, markiert habe. Es ist meine.

Ich kann mich noch erinnern, als ich als Studentin an einer bestimmten Kreuzung stand mit dem Fahrrad und mir vorsagte, wie ein Mantra, immer und immer wieder: Es ist genausosehr meine Stadt wie eure. Es ist genausosehr meine Stadt wie eure.

Ich glaube, ich kann mittlerweile bestätigen, dass es sich bei mir um einen positiv erweiterten Bewusstseinszustand (die negativ erweiterete Bewusstseins-Entsprechung wäre: paranoid) handelt, wenn ich das Gefühl habe, alle Gesichter lächeln mich an. (Großartigster Trip  – nur auf Meditation war ich da, auf sonst gar nichts – als ich einmal das Gefühl hatte, alle Gesichter in den Zeitschriften lächeln nur für mich. ) Zwar sind mir heute viele Grantgesichter begegnet und auch ein Nein und ich war nur erstaunt, wie kreativ ich damit umgehe – aber dann in der Stumpergasse bei einem Greißler (und ich denke mir: wie sehr sie sich gemausert hat, die Stumpi): Gewürzgfrießerl! Gewürze mit kleinen Gfrießerln drauf! So soll die Welt sein!

Schamlos. Ich.

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artaustria

Es ist ein Schritt, aber es gehört dazu. Schließlich. Letztendlich. Die Künstlerin und ihr Abbild. Und damit meine ich:

Höchstwahrscheinlich frühkindliche hardcore-katholische Infiltration hat mich sehr verschämt gemacht. Sie, die Scham, überfällt mich immer noch in den unmöglichsten Situationen. Kalt und von hinten. Hauptsächlich macht sie verstummen. Aber ich tue ihr nicht mehr den Gefallen, mich auch ihrer zu schämen. Ich zeige sie. Ich gebe ihr Bilder und Worte. Ich hab sie lieb. Das hat sie jetzt davon.

artaustria2

Stolz und Scham gehören ganz nah für mich zusammen. Gehen Hand in Hand wie zwei Geschwister. Sind Geschwister. Für mich. In mir. Es ist ein Changieren. Geworden. Changieren ist gut – das ist schon mal Bewegung.

Und überhaupt: Warum gibt es so wenige Künstlertagebücher? (In Blogform.) Es macht Spaß und es (der Blog im Tagebuchformat) bekommt ein Eigenleben. Vielleicht ist es sehr unwestlich, seine (inneren) Prozesse (und ihre äußeren Zeitigungen) sichtbar zu machen. Das dachte ich mir, als ich im vergangenen Jahr bei einem Künstlerabendessen in Liverpool eingeladen war, wo chinesische KünstlerInnen, John-Moore-PreisträgerInnen über ihre Arbeit sprachen. Sie sprachen nicht nur und zeigten nicht nur ihre aktuellen preisgekrönten Arbeiten, sondern auch ihre Anfänge, ihren Weg. Das wirkt auf den westlichen Künstler sehr anders und naiv und ehrlich und erstaunlich und mutig.

Ihr da draußen, Künstler: Ich will eure köstlichen, unerhörten, leisen Gedanken lesen!