Die Einsamkeit der Fischfrauen

Bild, Foto, Traum

Beschützen, Schütze.

Ein Schütze zielt, ist auf ein Ziel fokussiert. Beim be-schützen – ist da der Pfeil der Schützin auf mich gerichtet oder von mir weg?

Zwei Ritter, Ritterspielen.

Es ist schmerzhaft, anstrengend, die Augen offenzuhalten. Oft male ich Gesichter mit geschlossenen Augen. 

Ich zwinge meine Bilder heute die Augen zu öffnen. Das Leben in der Gebärmutter: Dunkelrot. Mit geschlossenen Augen.

Kann man sich auch mit offenen Augen erholen?

Kann man sich wach malen? Kann man sich präsent malen?

Mondgesichter. Mondmärchen.

Mondgesicht Vollmondgesicht

Erzähl mir ein Mondmärchen? Einen Traum, den du hattest, rund um den letzten Vollmond.

Mondduft – wie duftet der Mond?

Hast du schon einmal versucht, mit offenen Augen zu träumen? Male ein Bild, während du in Gedanken deinen Traum erzählst. Relativ abstrakt womöglich.

Synchronizitäten-Training: Vielleicht begegnet dir rund um dich oder in deinem Bild etwas, das dich an deine Träume erinnert?

Verlustängste.

Zählen + Riechen = Ordnen = Beruhigung?

Die Welt ordnen.

Die innere Ordnung.

Neu: bewusstes Zerknüllen und Wegschmeissen.

Das Erzähl-Häufchen, das Zählhäufchen, das Ordnungshäufchen.
Die Einsamkeit der Fischfrauenfröhliche FischvogelfrauFruchtbarkeitsgöttinHeastIkiMeerluftwesen

Sanft war das Gefühl und stark. Ich hatte sehr lange Haare. Wind und Sonne um mich. In Wind und Sonne löste ich mich auf und spürte mich stärker.

Tiefer Traum.

Wüstenwind durch mich um mich.

Tropfen und Blumengesichter-Märchen.

 

Tröstungen – Veruntröstungen

Text, Traum

Veruntröstungen:

“In their dreams, men engage in physical aggression against other men; women engage in verbal rejections and exclusions of other women.“
http://aeon.co/magazine/altered-states/was-freud-right-about-dreams-all-along/

Tröstungen:

„Was du noch hoffen kannst, das wird noch stets geboren“.  Rolf Boysen
http://oe1.orf.at/programm/372578

Menschen sollen mich jetzt finden.
Sanft auf mich zugehen.
Die Fische & die Vögel.

„Versöhnung: kann nach altindischer Deutung einen baldigen Erfolg versprechen, den Sie nach viel Mühe auch verdient haben. Andere Traumbücher warnen damit vor einem unversöhnlichen Feind.“
Großartig.
Wir alle sind so einsam.
Und unverstanden.
Regen. Regne auf mich.
Die Scham. Die Schuldgefühle.
Die Selbstbetrafung.

Wir, die hohen Häuser, die Sonnen – und Schattenstraßenseiten.
Alles ist so instabil. Was hilft gegen Instabilität? Ehrlichkeit.
Ehrlichkeit zu sich selbst und in zweiter Folge Ehrlichkeit zu anderen.

Schwäche. Kotzen wollen.
Wir hätten einander helfen können.
Es ist ein Schreiben, bei dem ich weinen will, ihr babyspeckigen, unbeschwerten Bastards.
Gibt es einen Menschengrund traurig zu sein?
Untersuchungen in Sprache.
Wohin glaube ich, dasss sie mich führt? Sie kann nicht Selbstzweck sein, die Sprache, nur Untersuchungswerkzeug, das Gewicht an mir, das mich tiefer sinken lässt, nein, auch das nicht, die Schwimmbewegungen. Mit Flossen, Taucheranzug und Brille an. Oxygen? Ich weiß nicht.

Hör auf. Ich muss mein Leben finden. Ich muss mein Leben wieder im Malen finden – zusammenfassen, trichtern, auf Papier trichtern – mein Leben, das ich in den Wind gegeben habe und der Luft und den Beziehungen und den Freunden und den Zwischenräumen.
Nichts von mir ist mehr übrig, nichts von mir ist mehr auf der Erde. Synchronisieren. Kreisrundes Schreiben. Das das Letzte, das sich wirklich anfühlte.

 

[Wien-Portugal-Wien-Liverpool]

Diary, Kaffeehausgedanken, Text, Traum
Es ist nicht nur wichtig, dass man ergänzenden Humor hat, es ist auch wichtig, dass man ergänzenden Ernst hat.
Ob das Rosa (des Moleskine-Hefts) meine Schreibe beeinflusst?
Zu viele Spiegel.
Besonders am Ort des sich-selbst-Vergessens sollen keine Spiegel sein, dürfen nicht.
Der Tag eines Kindes:
eine Kette entsetzlicher Dramen, von denen jedes einen Erwachsenen zugrunde richten würden.“
[„Wider die Jugend“ Robert Poulet]
Leben heißt Boden verlieren.“
Drei Uhr morgens.
Ich nehme diese Sekunde war, dann jene. Ich ziehe die Bilanz jeder Minute.
Wozu das alles!
Weil ich geboren wurde.“
[„Vom Nachteil geboren zu sein“ Cioran]
Unsere Unzulänglichkeit.
Unsere Menschenmängel.
Eine hohe emotionale Dichte, eine hohe Zwischenraumdichte ist ihnen zu eigen.
Wie andere sich gerne reden hören, sehe ich gern den schwarzen Fluss meines Geschriebenen. Es befriedigt mich, es beruhigt mich.
Ein Emotionskraftwerk oder Emotionenkraftwerk – nicht im Sinne von Sublimation, sondern viel technischer.
Emotion => Strom
Emotionsstrom.
Angststrom.
Ich wäre ein großartiges Kraftwerk.
Die Gewaltsamkeiten des Tages.
Ich komme runter…von den Gewaltsamkeiten des Tages, von den Gewaltsamkeiten in mir. Von den Gewaltsamkeiten, die aus mir kommen um umgehen zu können mit der Situation.
Einen sehr schrecklichen, sehr morbiden Traum hatte ich, aus dem ich aufwachte:
Lag auf einem Bett, wusste erst nicht, wer bin ich, wer liegt da, wer ist tot? Ist es Amy Winehouse? Aber ich war Amy Winehouse – ein Hybrid aus ihr und mir im Gesicht, ihre Haare und Make-up allerdings, dickerer, weicherer Körper.
Ich/Amy Winehouse also lag im Bett mit einem verwesenden Pferd. Man sah schon die Rippenknochen freigelegt auf der oben liegenden Seite – aber die Nüstern atmeten noch!
Und ich frage mich, was es bedeutet.

[Nächtebuch]: Something else entirely

Bilderbuch, Text, Traum

calm_detail

Keep calm

Nächtebuch

So wie es Tagebücher gibt, gibt es übrigens auch Nächtebücher. Genauer sollte ich sagen: Das Buch der Bilder, die vorm Einschlafen auftauchen: Blaue eckige Brüste, wie vierseitige Pyramiden mit abgeschnittener Spitze. Ungefähr noch die Figur, die Gestalt dazu. Blaue Alienfrau. Ich gebe ihr ein Gesicht und einen Hintergrund. Das Bild (das Vor-dem-Einschlafen-Bild und das auf-dem-Papier-Bild) macht mich ruhig. Eine große Ruhe.
Später beim Radfahren durch die neue Stadt und auf der linken Seite bemerke ich, dass die Hügel auf der Straße, die dazu da sind, um den Verkehr zu verlangsamen, dieselbe Form haben wie die blauen eckigen Brüste: Vierseitige Pyramiden mit abgeschnittener Spitze. Kann es sein, dass ich sie unbewusst aufgenommen und zu diesem Bild synthetisiert habe? Die blaue Alienfrau mit den eckigen Brüsten also ein personifiziertes Liverpool? Das mir so mitteilt: Keep calm. Alles wird gut. Alles ist gut. Keep calm and put the kattle on.
Zumindest mag ich diesen Gedanken.

[Maikondensat]

Text, Traum

Der Juni wird dunkelblau sein. Das ist von hier aus schon spürbar.

In der nächsten Ausstellung meiner Träume (Stellt sie ihre Träume aus? Oder erträumt sie sich eine Ausstellung?) werden neongelbe Schatten vorkommen und schnurrende Felldecken. Neongelbe Schatten zwischen den Dingen, den Objekten, den Menschen, neongelbe Schatten, die sie verbinden. Das heißt, dabei geht es eigentlich um die Sichtbarmachung des Zwischenraums, der Verbindungen.  Und Decken? Einmal habe ich geschrieben, dass Gott eine Decke ist, die sich tröstend um einen legt, in den Farben und der Materialität, die man gerade benötigt. Und sie kommt genau dann, wenn man sie benötigt. (Das ist natürlich eine Wunschvorstelllung. Nur wir können einander diese Decke sein und öfter als nicht scheitern wir daran.) Das Schnurren vibriert und es wärmt.

Zeig mir deine Träume, dann zeig ich dir meine. Zeichne mir deinen Traum, dann zeichne ich dir meinen. Ich habe zwei Räume geträumt – eine neongelbe Küche und ein neongrünes Badezimmer, keine Tür dazwischen, verbunden und getrennt durch einen Torbogen. Es gab zwei Duschen im Badezimmer, eine war ohne Vorhang, ohne Tür, sie war nur für die Füße da? Die andere hatte eine aufgeraute Glastür. Die Wände waren hoch und die Decke war ein Gewölbe, halb gotisch, halb orientalisch, mit zwiebelartigen Ausbuchtungen. Das Gewölbe wirkte wie von Hand geformt, aus Lehm hingepatzt, keinesfalls präzise, keinesfalls berechnet, auch nicht irgendwie symmetrisch. Das grün und das gelb hörten unterhalb des Gewölbes auf und zwischen Farbe und Gewölbe war noch ein ca. 40cm breiter vergilbter Blümchentapetenstreifen rundumlaufend. Mit weiß gelassenen Abgrenzungsstreifen darüber und darunter. Ich fand diese Räume irgendwie sehr sympathisch, wie meine Seele da ohne irgendwelche Beschränkungen was Geschmack oder Praktikabilität oder Statik angeht vor sich hin baut. Und warum ist es so unmöglich, seine Träume zu zeichnen? Genauso das Gesehene wiederzugeben? Immer scheitere ich an diesen Skizzen. Das höchste, das ich dabei erhoffen kann, ist, dass sie als Erinnerungsanker taugen.

Meine Bilder suchen einen Raum. Einen Raum, der kongenial zu ihnen passt, einen Raum in dem intime Begegnungen möglich werden, einen Raum, in dem sie atmen können und sich entfalten können und zueinander sprechen können und zu den jeweiligen Menschen im Raum, einen Raum, in dem Verbindungen entstehen können zwischen Bild und Text und diese Verbindungen sollen einen Zwischenraum entstehen lassen, der weit genug ist und einladend genug und offen genug, dass etwas Neues darin entstehen kann. Vielleicht ist dieser Raum zwischen Buchdeckeln.

Sitze heute in den Farben meines Traumes im Café Jelinek…violett und leuchtrot.

Kaffeehausgedanken, Traum

Träumte mich in dreierlei Gestalt, männlich und weiblich, älter und jünger, als Paar und als Dritte(r), Beobachter, Kamera. Objekt und Subjekt.

Lange wehende Frauenhaare von hinten – sind das weibliche Pendant zu wehenden Rockschößen langer schwarzer Männermäntel. Der fliegende dynamische Abschied.             Das geliebte Objekt von hinten.

[Café Kafka]

Kaffeehausgedanken, Traum

Heute Nacht [im Traum] viel See, Moor, Haus, Holz, Wald. Aber unheimlicher See.

Sommer, Wärme, Sonne, aber kalter Sommer, kalte Wärme, kalte Sonne.

Ich belästige mich selbst, ich berühre mich selbst.

Wenn du reinkämst, wäre es keine Überraschung. Wenn du durch den Regen hereinkämst, ins warme Wohnzimmercafé, in dem ich dich erwarte und auch nicht erwarte.

„Denke ich mich ständig zu dir hin.“