[Nächtebuch]: Something else entirely

Bilderbuch, Text, Traum

calm_detail

Keep calm

Nächtebuch

So wie es Tagebücher gibt, gibt es übrigens auch Nächtebücher. Genauer sollte ich sagen: Das Buch der Bilder, die vorm Einschlafen auftauchen: Blaue eckige Brüste, wie vierseitige Pyramiden mit abgeschnittener Spitze. Ungefähr noch die Figur, die Gestalt dazu. Blaue Alienfrau. Ich gebe ihr ein Gesicht und einen Hintergrund. Das Bild (das Vor-dem-Einschlafen-Bild und das auf-dem-Papier-Bild) macht mich ruhig. Eine große Ruhe.
Später beim Radfahren durch die neue Stadt und auf der linken Seite bemerke ich, dass die Hügel auf der Straße, die dazu da sind, um den Verkehr zu verlangsamen, dieselbe Form haben wie die blauen eckigen Brüste: Vierseitige Pyramiden mit abgeschnittener Spitze. Kann es sein, dass ich sie unbewusst aufgenommen und zu diesem Bild synthetisiert habe? Die blaue Alienfrau mit den eckigen Brüsten also ein personifiziertes Liverpool? Das mir so mitteilt: Keep calm. Alles wird gut. Alles ist gut. Keep calm and put the kattle on.
Zumindest mag ich diesen Gedanken.

Dichtblauer Juni

Kaffeehausgedanken, Text

In Dichtblau sind enthalten: Meer und verdichteter Sommerhimmel – sehr warm, aber nicht heiß – der Sommerhimmel über einer hohen, blühenden, insektensummenden Blumenwiese – also ein Blau, das viele Farben enthält, ein buntes Blau. Es enthält auch Taube und Veilchen und Sonne in abgewandter Form. Satter Schatten an einem sonnigen Tag.                     

Erstaunlich beruhigende Grüns im Café Jelinek. Ein schönes grünes Kleid an der schwarzhaarigen Frau. Ich mag diese Schlichtheit und wie es sich ins Gesamtbild einpaßt.                                                                                                                                   Vielleicht finde ich Vermissen keinen schlimmen Zustand? Sondern vielmehr etwas Wohliges? Ich fühle mich in all diesen Gefühlen, in diesen Anziehungsschnüren so geborgen wie in dieser Wärme, die schon da ist, so früh am Morgen, die einen heißen Tag verspricht. In Hitze fühlte ich mich (immer?) geborgen, weil sie eine höhere Dichte der Luft darstellt für mich, das Element, in dem ich mich bewege, das ich atme, das mich umgibt, streichelt oder schlägt. (Kälte schlägt mich. Schlägt mir ins Gesicht.)

Die Abgründe – die Ängste, Schuldgefühle, schlechtes Gewissen (wenig), eher Ängste vor meiner eigenen Peinlichkeit, Kitschigkeit – sind irgendwie absorbiert in diese Hitze, werden auch gehalten von der dichten Luft.                                                                             Was gebe ich in den Zwischenraum hinein?                                                                 Begehren, Dichtheit, Unbehagen, Verlorenheit, Zärtlichkeit (manchmal) – Zärtlichkeit ist das Pendant zu Maske, Spiel. Nähe, die die Maskenhaftigkeit durchstößt, die sich verdichtet zu Intensität, die wiederum als Gegenpol weiße Fläche braucht, weißen Hintergrund, um Luft zu haben, zu atmen, zu denken, zu flüchten. Für die Klarheit, die Klärung.