Nimm, was da ist

Skizze, Text

rosa heißt zensiert

Geheime Farbforschungen

Ergebnisse

Nach zwei qualvollen schmerzenden Tagen ist heute Petrol Zufriedenheit.

Tiefes tiefes Atmen.

Lust auf einen anderen Körper, der meinen Körper berührt. Macht. Macht? Lust auf roten Lippenstift. Oder nudefarbenen zu schwarzem Eyeliner. Lust auf Rache. Lust auf lächelndes süßes emotionales Quälen.

Manche [Frauen] in ihrer Blondheit. Manche in ihrer Braunheit. Nur ich, ich, bin die Goldfarbene.

(Gold ist Stärke, Größenwahn und das Gegenteil spießiger ängstlicher Bescheidenheit.)

Silber ist Geheimnis. Heimliche stille sanfte Liebe. Nach Hause kommen. Zu sich.

Mein Bruder:

Mein Bruder ist petrolgrau und hellgelb – transparentes, fast weißes hellgelb. Und leuchtendes Dunkelblau. Und ein Punkt Orange. Und ein Streifen leuchtendes Moosgrün.

(Kann man seinen Bruder heranschreiben? Kann man ihn in die eigene Umlaufbahn ziehen indem man seine Farben trägt?)

Grau ist: Ich gebe dir Raum und Möglichkeit. Ich gebe dir die Möglichkeit dich zurückzuziehen und ich gebe dir die Möglichkeit zu leuchten.

Mein mintgraugrüner riesiger Schal ist offensichtlich auch: Begehren, das nie bekommt. Er ist ein tragbares Museum der unübersetzten Gedanken, der ungesagten Worte, der ungetanen Taten (aus Feigheit, aus Faulheit). Nicht nur meine. Sondern alle. Aller.

[Maikondensat]

Text, Traum

Der Juni wird dunkelblau sein. Das ist von hier aus schon spürbar.

In der nächsten Ausstellung meiner Träume (Stellt sie ihre Träume aus? Oder erträumt sie sich eine Ausstellung?) werden neongelbe Schatten vorkommen und schnurrende Felldecken. Neongelbe Schatten zwischen den Dingen, den Objekten, den Menschen, neongelbe Schatten, die sie verbinden. Das heißt, dabei geht es eigentlich um die Sichtbarmachung des Zwischenraums, der Verbindungen.  Und Decken? Einmal habe ich geschrieben, dass Gott eine Decke ist, die sich tröstend um einen legt, in den Farben und der Materialität, die man gerade benötigt. Und sie kommt genau dann, wenn man sie benötigt. (Das ist natürlich eine Wunschvorstelllung. Nur wir können einander diese Decke sein und öfter als nicht scheitern wir daran.) Das Schnurren vibriert und es wärmt.

Zeig mir deine Träume, dann zeig ich dir meine. Zeichne mir deinen Traum, dann zeichne ich dir meinen. Ich habe zwei Räume geträumt – eine neongelbe Küche und ein neongrünes Badezimmer, keine Tür dazwischen, verbunden und getrennt durch einen Torbogen. Es gab zwei Duschen im Badezimmer, eine war ohne Vorhang, ohne Tür, sie war nur für die Füße da? Die andere hatte eine aufgeraute Glastür. Die Wände waren hoch und die Decke war ein Gewölbe, halb gotisch, halb orientalisch, mit zwiebelartigen Ausbuchtungen. Das Gewölbe wirkte wie von Hand geformt, aus Lehm hingepatzt, keinesfalls präzise, keinesfalls berechnet, auch nicht irgendwie symmetrisch. Das grün und das gelb hörten unterhalb des Gewölbes auf und zwischen Farbe und Gewölbe war noch ein ca. 40cm breiter vergilbter Blümchentapetenstreifen rundumlaufend. Mit weiß gelassenen Abgrenzungsstreifen darüber und darunter. Ich fand diese Räume irgendwie sehr sympathisch, wie meine Seele da ohne irgendwelche Beschränkungen was Geschmack oder Praktikabilität oder Statik angeht vor sich hin baut. Und warum ist es so unmöglich, seine Träume zu zeichnen? Genauso das Gesehene wiederzugeben? Immer scheitere ich an diesen Skizzen. Das höchste, das ich dabei erhoffen kann, ist, dass sie als Erinnerungsanker taugen.

Meine Bilder suchen einen Raum. Einen Raum, der kongenial zu ihnen passt, einen Raum in dem intime Begegnungen möglich werden, einen Raum, in dem sie atmen können und sich entfalten können und zueinander sprechen können und zu den jeweiligen Menschen im Raum, einen Raum, in dem Verbindungen entstehen können zwischen Bild und Text und diese Verbindungen sollen einen Zwischenraum entstehen lassen, der weit genug ist und einladend genug und offen genug, dass etwas Neues darin entstehen kann. Vielleicht ist dieser Raum zwischen Buchdeckeln.