Vor einem Jahr – Frühling

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zwei in violett_detail

[Alle Bilder ca.30x40cm, Frühling 2015, Mischtechnik auf Aquarellpapier.
Zwei in Violett, Detail]

Ich habe Bilder wiederentdeckt, die ich völlig vergessen habe, sie sind vor einem Jahr entstanden, im letzten Frühling. Es stimmt in den allermeisten Fällen bei mir zumindest: Bilder müssen ein Jahr lang mindestens abhängen, um sie mit frischen, objektiven Augen betrachten zu können und zu wissen, ob sie interessant sind oder nicht.

Zwei in Violett
[Zwei in Violett]

Es ist schön, überrascht zu werden. Ich mag diese Bilder jetzt. Sie sind ungefähr zur selben Zeit entstanden, wie die Farbkotzmädchen, die erstaunlicherweise mit einem Jahr Abstand betrachtet diejenigen sind, die ich gerade am inspirierendsten finde, in ihrer Leichtigkeit, in Ihrem Nichts-Wollen außer Farbe trinken und Zwischenraumverdichtungen darstellen. Und vielleicht ist das auch alles, was es gibt.

Frühlingsmädchen

[Sprießt]
alt und jung
[Wächst]

Blumenschock

[Blumen und Mädchenschock]

Manche dieser Bilder sind im Beisein einer Klientin von mir entstanden. Diese Klientin hatte mehrer Schlaganfälle überlebt und lebte in ihrer eigenen Welt. Sie wollte, dass ich auch male neben ihr, während sie malt. Es war kein „freies“ konzentriertes Malen für mich klarerweise, hauptsächlich war ich da um ihren Figuren einen Raum zu bereiten, meine Bilder um ihren Bildern zu antworten, um gemeinsam Sprache wieder zu finden.

Aber da ich kaum gemalt habe im letzten Jahr kam doch viel von mir in diese Bilder.

Zugegensein_DetailZugegensein

[Zugegensein]

Und dieses Bild erstaunt mich einfach nur, weil da unsere Beziehung drinnen ist, mein Zugegensein, ihr Beisein, irgendetwas sehr Liebevolles und ja, sie hat mich inspiriert.

Sonne trinken_Detail
[Farbe trinken wie Sonne trinken_Detail]
Sonne trinken
[Farbe trinken wie Sonne trinken]

Und übrigens, falls du das noch nicht wusstest: Malen ist ein Beschwörungstanz.

Die Farbkotzmädchen

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frühling blaufrühling türkisfrühling orangefrühling petrolfrühling pinkfrühling rotfrühling türkisgrünfrühling rosafrühling violett orange

[Mischtechnik auf Papier, DIN A3, Frühling 2015]

Die letzte kurze Malphase seit langer und möglicherweise für lange Zeit. Mehr ein körperliches Bedürfnis: Wenn ich nicht male, dann platze ich. Das war im Frühling, der nicht kommen wollte. Ein Farbeheranmalen, eine Farbsehnsucht? „Erzeugt Farbe in mir Vitamin D, so wie sonst nur Sonnenlicht?“ Ein Druck, dem ich nur kurz nachgegeben habe, nur solange das Schlimmste gestillt war. Jetzt sehe ich diese Bilder also als ein Farbe-Herauskotzen? Ich weiß nicht, wie ich sie sehe und als was ich sie sehen werde. Ich sehe einen Hauch Lisbeth Zwerger, eine Prise Quentin Blake, besonders in der Vergrößerung, beide hochverehrt, beides unintendiert und doch natürlich ganz anders in der Atmosphäre, mehr Sex? Beziehungsweise mehr Unangenehmes, Unaufgelöstes, mehr dicke farbige Luft, oder auch nicht? Für meine Verhältnisse sind sie ziemlich wohlfühlig die Damen, fast: Körperwohlfühlung. Irgendetwas finde ich anscheinend doch interessant genug, um sie zumindest zu archivieren, in Form des Künstlertagebuchs zu zeigen. Die Farbkotzmädchen.