Die grüne Haube

Diary, Skizze

grüne Mütze

Ich wäge meine Grüns ab: Emerlad, Smaragd, Mint, Olive & Petrol. Schon jetzt bin ich ruhiger, wo ich endlich diese Farbe, diese Schwingung tragen kann. Und ich frage mich: Geht es dabei um die Reflexion oder die Absorbtion? Wenn ich nun also grün reflektiere – welche Schwingung absorbiere ich dann? Wirkt also eine Farbe nach außen und nach innen?

Letzter Stand der Farbforschung (meiner): Manchmal kauft man Kleidung, die Projektionen eines zukünftigen Ichs sind. Man muss erst noch hineinwachsen. Mutig sein. Farbbedürfnisse (-obsessionen) sind momentan wirksame und notwendige Entwicklungsschritte, -hinweise und -hilfen der greifbaren Zukunft.

 

[Farben im Café Kafka]

Kaffeehausgedanken

Der zuvielte Kaffee.

Der zittrige Kaffee.

Ich bin schön geküsst. Apricot geküsst.

Beerenfarben. Erdbeersorbetfarbengeküsst.

Schon vor meinem Lippenstift. Mein Lippenstift übermalt das Erdbeerfarbene meiner Lippen mit dem helleren Apricot.

Es ist unglaublich, wie sehr mein Bild in diesen Raum hereinverwittert ist. Wie sehr sich die Farben des Bildes und des Rahmens und des Raumes einander angepasst haben.

Und da sitzt wirklich ein Junger in gelbem Tshirt und grüner Jean, kein Hipster, also einer, dem wirklich Kreativität zugetraut werden kann – und liest: The Catcher in the Rye. In rot.

Schön.

Alles schön.

Musik schön.

Körpergefühl schön.

(Trotz Kopfwehs.)

Innere – äußere Temperatur in Harmonie.

H    A    R    M    O    N    I    E

Langsamkeit schön.

Innere Bilder: schön.

Frei fluktuierendes Begehren mit Landungspunkten.

Wunderschönen Landungspunkten, auch wenn diese Orte provisorisch sind, wechselnd sind. Das macht es auch viel romantischer. Und scheiße, ist Wien romantisch in diesem maienhaften April. In diesem Sommer im Frühling in Wien.

 

Dichtblauer Juni

Kaffeehausgedanken, Text

In Dichtblau sind enthalten: Meer und verdichteter Sommerhimmel – sehr warm, aber nicht heiß – der Sommerhimmel über einer hohen, blühenden, insektensummenden Blumenwiese – also ein Blau, das viele Farben enthält, ein buntes Blau. Es enthält auch Taube und Veilchen und Sonne in abgewandter Form. Satter Schatten an einem sonnigen Tag.                     

Erstaunlich beruhigende Grüns im Café Jelinek. Ein schönes grünes Kleid an der schwarzhaarigen Frau. Ich mag diese Schlichtheit und wie es sich ins Gesamtbild einpaßt.                                                                                                                                   Vielleicht finde ich Vermissen keinen schlimmen Zustand? Sondern vielmehr etwas Wohliges? Ich fühle mich in all diesen Gefühlen, in diesen Anziehungsschnüren so geborgen wie in dieser Wärme, die schon da ist, so früh am Morgen, die einen heißen Tag verspricht. In Hitze fühlte ich mich (immer?) geborgen, weil sie eine höhere Dichte der Luft darstellt für mich, das Element, in dem ich mich bewege, das ich atme, das mich umgibt, streichelt oder schlägt. (Kälte schlägt mich. Schlägt mir ins Gesicht.)

Die Abgründe – die Ängste, Schuldgefühle, schlechtes Gewissen (wenig), eher Ängste vor meiner eigenen Peinlichkeit, Kitschigkeit – sind irgendwie absorbiert in diese Hitze, werden auch gehalten von der dichten Luft.                                                                             Was gebe ich in den Zwischenraum hinein?                                                                 Begehren, Dichtheit, Unbehagen, Verlorenheit, Zärtlichkeit (manchmal) – Zärtlichkeit ist das Pendant zu Maske, Spiel. Nähe, die die Maskenhaftigkeit durchstößt, die sich verdichtet zu Intensität, die wiederum als Gegenpol weiße Fläche braucht, weißen Hintergrund, um Luft zu haben, zu atmen, zu denken, zu flüchten. Für die Klarheit, die Klärung.