Ein kleines Beispiel des Nirgendwo-Hinpassens

Diary, Text

Ich will nach LA – des Lichts wegen.

Diese in LA lebende, arbeitende Künstlerin (die auch ein in Richtung Kunstherapie/Meditation/Mindfulness sich erweiterndes Selbstverständnis hat, das ich gut finde) beschreibt es so, wie ich es mir vorstelle: http://www.insiderei.com/interview/los-angeles-la-kunst-art-design-architektur-midcentury-houses-lauren-spencer-king/

Vieles hat sich verändert – um mich und in mir. Und nicht alles freiwillig. Und doch muss ich damit umgehen.

Ich weiß nicht mehr, ob ich so weiterschreiben kann, will. Texte entstehen, die nicht mehr in die passenden Rahmen (Blogs) passen. Die weder auf misfitsparadise (der Ort, der Text und Bild verbinden wollte, der Ort, der die wechselseitige Beeinflussung von Text und Bild untersuchen wollte) passen (weil zu wenig abstrakt) – noch auf den Kunsttherapie-Blog passen (weil zu persönlich, zu wenig theoretisch). Und den „Wahrheitsblog“, mit dem ich immer wieder liebäugle, den gibt es nicht, oder noch nicht, oder wird es nie geben, genausowenig wie es Wahrheit gibt. Weil „Wahrheitsblog“ einfach auch so ein wahnsinnig abturnendes Wort ist. Prätenziös und unsexy. Und gleichzeitig: Wer ist schon so uneitel? Wer will schon seine Wahrheit von gestern lesen? Aber vielleicht ist Wahrheit ohnehin nur etwas im Moment Findbares, ein Vehikel (und das seine Funktion, seine Rechtfertigung) um sich selbst (wieder) näher zu kommen? In Wahrheit (ha) ist es nämlich natürlich schon das Konzept des „Wahrheitsblogs“ das dem momentanen (dorthin gewachsenen) Schreibbedürfnis am nächsten kommt.

Abstraktion versus Wahrheit?

Manchmal wissen meine abstrakten Texte mehr als ich zum Zeitpunkt ihrer Entstehung. Im Nachhinein analysiere ich sie. Zerstört Analyse sie? Das die Frage, bei der ich seit jeher immer wieder lande. Zerstört die Deutlichmachung, die Erklärung, die „Wahrheitsannäherung“ den Text, die Aussage? Beides ist mir Bedürfnis: Analyse und Abstraktion. Analyse ist nicht mehr wahr als Poesie. Eine bestimmte Wahrheit braucht Poesie als Sprache um nach außen zu treten. Jegliche Umformulierung würde ihre Aussage verwässern. Manchmal ist die Sprache die Aussage. Die zum Zwecke des Auszudrückenden gefundene Sprache – mit ihr wird das Auszudrückende geboren. Manche Dinge können nur so gesagt werden, in eben diesen ganz bestimmten Worten; eben ihre Verschleierung macht sie deutlich.

Über das „Du“ in meinen Texten

In diesem momentanen Changieren zwischen den (Ausdrucks-)Räumen möchte ich klarstellen, dass das „Du“ in meinen Texten nie ein bestimmtes Gegenüber meint, nie nur eine Person, sondern dass das „Du“ in meinen Texten stets ein Hybrid aus mehreren Dus ist, zu denen sich mein schreibendes Ich hinformuliert (denn mein schreibendes Ich scheint das Gegenüber eines, mehrerer nicht anwesender Dus zu brauchen, seien das Real-Dus, Traum-Dus, Sehnsuchts-Dus, Vergangenheits-Dus, sogar Zukunfts-Dus). Und oftmals bin ich selbst das „Du“, mein Ich, das einen Teil von mir als „Du“ anspricht.

Letztlich zählt nur der Text als Text für mich (auf misfitsparadise). Wenn dafür multiple Dus zu einem Du-Hybrid zusammengeschmolzen werden, dann sei es. Dann war es so. Meist war es so.

Oft finde ich ihn (den Text) auch erst gelesen vollständig – von mir gelesen – meine Stimme, die Brüchigkeiten, Ironie, Sanftheit, Lächeln, Distanz, Nähe hinzufügt.

Und auch merke ich ein Bedürfnis nach einer neuen Art der Wort-Bild-Verbindung. Ich möchte auch Verlinken auf Texte oder Bilder, die mir verbindenswert erscheinen (teilenswert, weil sie mir geholfen haben zu verstehen, weil sie mir Erkenntnisbereiter waren und Kreise-Schließer). „Kreisrundes Schreiben“ nenne ich es. Leider ist die lesbare Form noch immer linear – von links nach rechts, von oben nach unten (abendländisch zumindest – morgenländisch kann man viel geilere Sachen mit Schrift machen – da kann man wirklich kreisrund kalligraphieren – und das macht verdammt viel Sinn).

Ein kleines Beispiel, das nirgendwo hinpasst

Bzw ein kleines Beispiel des Nirgendwo-Hinpassens:

Bild

Ich wache auf mit Verzweiflung. Ich stehe auf, weil nicht Bewegen unaushaltbar ist. Weil nicht Bewegen Ausgeliefert Sein ist, weil nur in der Bewegung ein bisschen Kontrolle ist, weil nur in der Bewegung etwas in Bewegung geraten kann. Beim Herumtun formuliert sich in mir der Satz: „Ich gehe gerade ein bisschen zu grunde an der Antwortlosigkeit der Welt.“ Etwas Unaushaltbares, das Unaushaltbare der Situation wird in Worte gefasst. Die Fassung macht es fassbar. Anschaubar. Ich frage mich: Wo liegt dieses „zu Grunde“? Wo ist dieser Grund? Was ist das für ein Ort? Was ist dort zu finden? Ich murmle diesen Satz vor mich hin. Ich merke, dass er eine Melodie hat. Ich singe ihn vor mich hin. Das es ein Lied ist, macht die Sache leichter. Und in meinem Kopf entsteht zweierlei: Erstens eine Sprechblase in der dieser Satz steht. Ich habe genaue Vorstellungen der Materialität und Farbe: Sie soll weiß sein, aus porzellanenem Plastik-Material, circa eineinhalb Centimeter tief, circa ein halber Meter Durchmesser. Es soll an der Wand hängen und mich erinnern. Zweitens eine Idee für ein Bild – eine Zeichnung mit Text, Zeichnungen mit Texten, die entstehen werden, inshallah, sobald ich wieder Raum und Zeit habe.

Als Ingredienz habe ich mir notiert: Das Aushalten der Antwortlosigkeit. Als Ingredienz im Umgang mit Verzweiflung oder Ungewißheit. Als Möglichmachung der Umformung der Verzweiflung in ein Lied, in ein Bild, in welche Ausgestaltung auch immer sie annehmen will. Als Raumbereitstellung. Als Raum, in den es (das Neue) fallen kann.

Wie man sich herausschreiben kann, herausarbeiten kann aus Verzweiflung: Wie man durch die Gestaltung, durch das Schreiben erstens sich wiederfinden kann, zweitens einen Schatz (in Form einer Idee, Erkenntnis) aus dem Verzweiflungs-Grund gefunden, gehoben, mitgenommen haben kann – ich finde es etwas sehr Teilenswertes. Aber ich weiß nicht, wie ich die Anleitung besser oder wahrhaftiger oder drastischer formulieren kann als eben durch die Beschreibung des Prozesses selber. Und in diesem Fall (und auch in diesem) IST die Beschreibung der Prozeß. Das Schreiben ist Tun, Erkenntnis, Transformation und Erklärung in einem.

Und, verdammt, wäre ich froh um Antwort.

 

 

Kontrast

Diary, Kaffeehausgedanken, Zeichnung

Image

Und ist es wirklich so, dass das die Entwicklung ist: Von der Dunkelheit ins Licht. Das hieße dann, dass die LA-Girls (This girl – flap flap flap your wings, show what you´ve got, wear red and pink and flowers), die sonnigen, spaßhabenden, unbekümmerten, reichen Flappergirls, It-Girls, die auf die Sonnenseite Gefallenen, die sind, die weiter sind?!                                                                                                                                                             Weiter sind auf ihrer Reise ins Licht? Die schon in die Sonne Geborenen?

Oder sind wir Lichtarbeiter, Transformatoren, Dunkel in Licht Umwandelnde? Und je mehr dunkle Flecken, je mehr Sporne oder Stacheln, desto mehr Transformation, desto mehr durch Transformation freigesetzte Energie?

Deshalb diese Ausstrahlung nach (gegebener oder erhaltener) Therapie!