[Farben im Café Kafka]

Kaffeehausgedanken

Der zuvielte Kaffee.

Der zittrige Kaffee.

Ich bin schön geküsst. Apricot geküsst.

Beerenfarben. Erdbeersorbetfarbengeküsst.

Schon vor meinem Lippenstift. Mein Lippenstift übermalt das Erdbeerfarbene meiner Lippen mit dem helleren Apricot.

Es ist unglaublich, wie sehr mein Bild in diesen Raum hereinverwittert ist. Wie sehr sich die Farben des Bildes und des Rahmens und des Raumes einander angepasst haben.

Und da sitzt wirklich ein Junger in gelbem Tshirt und grüner Jean, kein Hipster, also einer, dem wirklich Kreativität zugetraut werden kann – und liest: The Catcher in the Rye. In rot.

Schön.

Alles schön.

Musik schön.

Körpergefühl schön.

(Trotz Kopfwehs.)

Innere – äußere Temperatur in Harmonie.

H    A    R    M    O    N    I    E

Langsamkeit schön.

Innere Bilder: schön.

Frei fluktuierendes Begehren mit Landungspunkten.

Wunderschönen Landungspunkten, auch wenn diese Orte provisorisch sind, wechselnd sind. Das macht es auch viel romantischer. Und scheiße, ist Wien romantisch in diesem maienhaften April. In diesem Sommer im Frühling in Wien.

 

(Wo Inneres nach Außen kommt ist es) Rot

Diary, Text

Seit ich entdeckt habe (seit ich es wieder praktiziere) mit Worten zu zaubern, bin ich verstummt. Kann ich den Sinn in Beschreibungen nicht mehr sehen. Und doch, während ich wieder einmal versuche, mich von jeglichem Druck und jeglicher Erwartung zu lösen (was mit sich bringt, dass ich zurückgeworfen bin auf den Moment, weil ich nichts anderes habe, nichts anderes je haben werde als den Moment), ist noch diese Bringschuld spürbar. Die Schuldigkeit zu teilen. Und vielleicht ist sie nichts genussvoll Erlebtes, wie in meinen Träumen, meinen Tagträumen – sondern etwas, das gegen großen Widerstand, gegen große Ängste nach Außen gepresst werden muss. Momente absoluter Offenheit – Entblößung – sind gleichzeitig Momente, in denen ich alles – zu viel – aufnehme. Noch immer lecke ich meine Wunden.

Vor all dem war mein Kommunikationsmittel – und mein Fortbewegungsmittel, meine Obsession – eine wechselnde Farbe. Wohlweislich habe ich mich mit Blau eingedeckt, mit Blau umgeben. Ich konnte nur mehr mit Farben kommunizieren – und über meine Haut. Alles andere schwach und lächerlich im Vergleich. Heute schrie meine Haut – ganz plötzlich – sie brannte und ein fleckiges Rot breitete sich vom Gesicht über den Körper aus. Vielleicht sollte ich rot tragen, damit meine Haut das nicht mehr muss? Vielleicht sollte ich –

Sitze heute in den Farben meines Traumes im Café Jelinek…violett und leuchtrot.

Kaffeehausgedanken, Traum

Träumte mich in dreierlei Gestalt, männlich und weiblich, älter und jünger, als Paar und als Dritte(r), Beobachter, Kamera. Objekt und Subjekt.

Lange wehende Frauenhaare von hinten – sind das weibliche Pendant zu wehenden Rockschößen langer schwarzer Männermäntel. Der fliegende dynamische Abschied.             Das geliebte Objekt von hinten.