FarbentrostI

FarbentrostII

farbentrostIII

Die Farben der Nacht und des Schattens.

Es geht nicht darum, sie „herauszulösen“, es geht darum, sie zu ahnen.

In sie einzutauchen mit anderen Augen, anderen Sinnen, einem Ich, das notgedrungen zerfallen muss, sich auflöst in seine Gegensätzlichkeiten, sich aufspaltet in seine Vielen.

Sich selbst begegnet…voller Neugier, Angst, Begehren.

Bild, Bilderbuch

Dichtblauer Juni

Kaffeehausgedanken, Text

In Dichtblau sind enthalten: Meer und verdichteter Sommerhimmel – sehr warm, aber nicht heiß – der Sommerhimmel über einer hohen, blühenden, insektensummenden Blumenwiese – also ein Blau, das viele Farben enthält, ein buntes Blau. Es enthält auch Taube und Veilchen und Sonne in abgewandter Form. Satter Schatten an einem sonnigen Tag.                     

Erstaunlich beruhigende Grüns im Café Jelinek. Ein schönes grünes Kleid an der schwarzhaarigen Frau. Ich mag diese Schlichtheit und wie es sich ins Gesamtbild einpaßt.                                                                                                                                   Vielleicht finde ich Vermissen keinen schlimmen Zustand? Sondern vielmehr etwas Wohliges? Ich fühle mich in all diesen Gefühlen, in diesen Anziehungsschnüren so geborgen wie in dieser Wärme, die schon da ist, so früh am Morgen, die einen heißen Tag verspricht. In Hitze fühlte ich mich (immer?) geborgen, weil sie eine höhere Dichte der Luft darstellt für mich, das Element, in dem ich mich bewege, das ich atme, das mich umgibt, streichelt oder schlägt. (Kälte schlägt mich. Schlägt mir ins Gesicht.)

Die Abgründe – die Ängste, Schuldgefühle, schlechtes Gewissen (wenig), eher Ängste vor meiner eigenen Peinlichkeit, Kitschigkeit – sind irgendwie absorbiert in diese Hitze, werden auch gehalten von der dichten Luft.                                                                             Was gebe ich in den Zwischenraum hinein?                                                                 Begehren, Dichtheit, Unbehagen, Verlorenheit, Zärtlichkeit (manchmal) – Zärtlichkeit ist das Pendant zu Maske, Spiel. Nähe, die die Maskenhaftigkeit durchstößt, die sich verdichtet zu Intensität, die wiederum als Gegenpol weiße Fläche braucht, weißen Hintergrund, um Luft zu haben, zu atmen, zu denken, zu flüchten. Für die Klarheit, die Klärung.

[Maikondensat]

Text, Traum

Der Juni wird dunkelblau sein. Das ist von hier aus schon spürbar.

In der nächsten Ausstellung meiner Träume (Stellt sie ihre Träume aus? Oder erträumt sie sich eine Ausstellung?) werden neongelbe Schatten vorkommen und schnurrende Felldecken. Neongelbe Schatten zwischen den Dingen, den Objekten, den Menschen, neongelbe Schatten, die sie verbinden. Das heißt, dabei geht es eigentlich um die Sichtbarmachung des Zwischenraums, der Verbindungen.  Und Decken? Einmal habe ich geschrieben, dass Gott eine Decke ist, die sich tröstend um einen legt, in den Farben und der Materialität, die man gerade benötigt. Und sie kommt genau dann, wenn man sie benötigt. (Das ist natürlich eine Wunschvorstelllung. Nur wir können einander diese Decke sein und öfter als nicht scheitern wir daran.) Das Schnurren vibriert und es wärmt.

Zeig mir deine Träume, dann zeig ich dir meine. Zeichne mir deinen Traum, dann zeichne ich dir meinen. Ich habe zwei Räume geträumt – eine neongelbe Küche und ein neongrünes Badezimmer, keine Tür dazwischen, verbunden und getrennt durch einen Torbogen. Es gab zwei Duschen im Badezimmer, eine war ohne Vorhang, ohne Tür, sie war nur für die Füße da? Die andere hatte eine aufgeraute Glastür. Die Wände waren hoch und die Decke war ein Gewölbe, halb gotisch, halb orientalisch, mit zwiebelartigen Ausbuchtungen. Das Gewölbe wirkte wie von Hand geformt, aus Lehm hingepatzt, keinesfalls präzise, keinesfalls berechnet, auch nicht irgendwie symmetrisch. Das grün und das gelb hörten unterhalb des Gewölbes auf und zwischen Farbe und Gewölbe war noch ein ca. 40cm breiter vergilbter Blümchentapetenstreifen rundumlaufend. Mit weiß gelassenen Abgrenzungsstreifen darüber und darunter. Ich fand diese Räume irgendwie sehr sympathisch, wie meine Seele da ohne irgendwelche Beschränkungen was Geschmack oder Praktikabilität oder Statik angeht vor sich hin baut. Und warum ist es so unmöglich, seine Träume zu zeichnen? Genauso das Gesehene wiederzugeben? Immer scheitere ich an diesen Skizzen. Das höchste, das ich dabei erhoffen kann, ist, dass sie als Erinnerungsanker taugen.

Meine Bilder suchen einen Raum. Einen Raum, der kongenial zu ihnen passt, einen Raum in dem intime Begegnungen möglich werden, einen Raum, in dem sie atmen können und sich entfalten können und zueinander sprechen können und zu den jeweiligen Menschen im Raum, einen Raum, in dem Verbindungen entstehen können zwischen Bild und Text und diese Verbindungen sollen einen Zwischenraum entstehen lassen, der weit genug ist und einladend genug und offen genug, dass etwas Neues darin entstehen kann. Vielleicht ist dieser Raum zwischen Buchdeckeln.

Gedichte höchstens [Über das Schreiben schreiben]

Gedicht, Kaffeehausgedanken

Ich schreibe mich in den Raum hinein. Gebe mir somit Legitimation im Hier und Jetzt.

Kann man sich an Dinge heranschreiben? Kann man sich an Dinge heransehnen? Aber vielleicht war das der Denkfehler: Ich habe die Sehnsucht herangeschrieben.

Dabei ginge es doch eher darum, den Gedankensprung zu machen. Das Neue zu fühlen. Sich schon mal gedanken- und gefühlsmäßig in den Raum des Neuen zu begeben. Große Konzentrationsanforderung. Weniger Angst. Mehr Spontanität. Weniger Respekt. Mehr Gelöstheit. Weniger Angst davor, Fehler zu machen. Und weniger Angst vor diesen Fehlern und ihren Auswirkungen.

Multiple, vielfarbige Schatten – Schattenregenbögen. Schattendiamanten.

Gedichte höchstens.

Der Grad der Abstraktion.

Sätze, die keine Sätze sind, sondern merkwürdige Beschreibungen von Innerem und Äußerem.

Und die Schnittmenge, die Überschneidungen, die wechselseitigen Beeinflussungen.