Vom Versuch, hier zu schreiben

Kaffeehausgedanken, Text

Warum nur – oh alle Höllen – wurde es so jung und hip? Ihr Arschlöcher! Wo sind die trübsinnigen alten Männer? All die Künstlichkeit, die kaugummikauende, silberbuntglitzernde, geschminkte, rauchende, gesichterschneidende Künstlichkeit – wer hält das aus?

Wie soll ich hier über sprachliche Untersuchungen schreiben, über Verletzlichkeit eben bei dem Versuch, sich unverletzlich zu machen?

Meine frisch gewaschenen Haare, meine ganze hellgelb-rosa Frische – aufgesaugt von Rauch und schwarzem Kaffee. Gut, die Schwärze des Kaffees und das Braun der Möbel, die ganze verschlissene Braunigkeit, der brennende Ofen ist ja gut, ist ja der ersehnte, dem Schreiben – der Schreibe – wegbereitende Raum.

(Sie erzählt mir meine Gedanken, mehr noch, meine Gefühle. Ich sehe sie gerne an, sie und ihn, ich sehe diese Menschen gerne an – und ihre Interaktionen. Ich kann nicht genug kriegen davon. Ich mag es, wie sie sanft und unsichtbar (so sehr, dass ich nie sicher sein kann, ob sie es wirklich tut) auf mich eingeht.)

(Nicht die Frage: „Was hast du heute für die Farbe getan?“ [Matisse], sondern: Was hast du heute für die Schwingung getan? Für die Harmonie? Für deine visuelle Umwelt/Umgebung?)

(Und so geht es durch die Augen ins Herz und aus dem Herzen durch die Augen.)

Der Sinn der Schreibe, der Sinn des Erlernens dieser Sprache ist, war: Unantastbarkeit, Unangreifbarkeit, Unverletztlichkeit – aber, so stellte sich heraus, beschreibe ich in meinem Text einen Prozess der stetigen Anreicherung, der stetigen Identitäts(neu)-Bildung durch Zerfallen und wieder Sammeln. Also Entblößung, Nacktheit und Wieder(neu)-Einkleidung, Entblößung und Maske.

Also: die Sichtbarmachung der Verletzlichkeit.

[Kommunikation, Obsession]

Diary

Ich wollte weinen und lachen gleichzeitig und hab auch ein bisschen, als ich mit dem Fahrrad runtergerollt bin entlang des Gürtels, die Allee, die Regentropfen, freihändig.

Und war voller crazy, verrücktmachender Dankbarkeit.

Aber: Wodurch wird Schwingung erzeugt?! Das möchte ich wissen. Das sollte erforscht werden.

Meine Obsession war seit jeher, switchen zu können – mich in andere Körper & Geiste hineinzuversetzen: Also plötzlich aus der Perspektive jenes Menschen zu sehen, fühlen, denken, erleben. Und umgekehrt. Bei gleichzeitiger Gegenwärtigkeit des eigenen Ichs. Das eigene Ich als Beobachter. Es geht nicht verloren.

Wahrscheinlich wäre das zuviel für ein Hirn, einen Körper. Beziehungsweise nur kurz erträglich. Die kurze Erfahrung würde so viel verändern in meiner Vorstellung. Würde schlagartig so viel Verständnis bringen. Weltenerweiterung. Weltenexplosion. Und da das einfach (noch) nicht möglich ist, finde ich Kunsttherapie einfach die Methode, die dem am nächsten kommt. Das ist teilweise sehr beglückend und teilweise sehr depremierend.